“Bewegung aus Leidenschaft” ist der Titel, den Tina Stavemann ihrem Gastbeitrag zum Thema “Dünn sein = besser leben?” gegeben hat. Wasser ist ihr Element, ihre Leidenschaft über die sie zu mehr Selbstliebe und Körperakzeptanz gefunden hat. Ein langer und nicht einfacher Weg, den die Gründerin von Aquamondo heute beschreibt.

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(c) Tina Stavemann

(c) Tina Stavemann

Meine prägendsten Kindheitserinnerungen sind die, an halsbrecherische Radfahrten ins Schwimmbad, der Geruch von Sonnencreme und Chlorwasser, rote Taucher-Augen und Badeanzug-Streifen auf der Haut. Wasser ist und war mein Element.

Ein bunter Strauß an Sportmöglichkeiten

Bevor ich voll in den Wassersport eingestiegen bin, habe ich so ziemlich jede Sportart in Vereinen oder Schul-AG‘s ausprobiert, die ich finden konnte: Handball, Volleyball, Rugby, Tischtennis, Tanzen, Basketball, Trampolin-Springen. Radfahren musste ich sowieso immer, da meine Familie kein Auto hatte. Bewegung gehörte immer ganz natürlich zu mir, obwohl meine Eltern mit Sport bis heute gar nichts am Hut haben.

Dann kam der Wunsch zu schwimmen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, wie ich darauf kam, denn ich erinnere mich, dass ich mich beim Seepferdchen-Kurs bewusst immer wieder hinten in die Reihe gestellt habe, damit ich nicht im großen Becken schwimmen muss.

Rückblickend betrachtet denke ich, dass aus mir vielleicht auch eine wirklich gute Wettkampfschwimmerin hätte werden können. Zwei Dinge verhinderten dies – zum einen meine Angst davor, als moppeliges Kind vor zig Wettkampfbesuchern in das Schwimmbecken zu springen. Ich habe mich damals sehr geschämt, obwohl ich im Training die anderen Kinder oft in die Tasche steckte. Aber meine Angst hat mich so gelähmt, dass ich furchtbar langsam wurde und für das Wettkampf-Team dann nicht mehr tauglich war.
Zum anderen wollte ich um‘s Verrecken nicht den Trainer wechseln, denn der Wettkampf-Trainer schrie die Kinder regelmäßig zusammen. Und schreiende Menschen kann ich bis heute nicht ernst nehmen, sie verdienen meinen Respekt nicht. So blieb ich in der Hobby-Gruppe bis diese aufgelöst wurde.

Wenn Ärzte körperliche und seelische Gesundheit gefährden

Dann gab es in meinem bis dato ziemlich bewegten Leben einen großen Einschnitt: Ein Orthopäde diagnostizierte meine Hüft-Dysplasie und verbat mir, zu rennen und zu springen. Noch heute werde ich wütend, wenn ich über diesen rückschrittlichen Rat und seine Auswirkungen nachdenke. Kein guter Arzt würde heute so einen Rat geben.
Aber sowohl für meine Eltern als auch mich, war dieser Arzt damals eine Respektsperson und wir glaubten ihm.

Zur selben Zeit wurde meine Schwimm-Truppe aufgelöst und ich wechselte zu einer Ganztags-Schule, so dass ein weiteres Schwimmtraining im Umkreis meiner kleinen Heimatstadt erst einmal unmöglich wurde.
Damit war mein bewegtes Leben vorbei und aus einem moppeligen Kind, wurde eine dicke Jugendliche – mit all den Selbstzweifeln, die dies mit sich bringt. Meine Diäten-Karriere, die bereits sehr früh begonnen hatte, wurde nochmals auf ein neues Level gehoben und bescherte mir erst recht viele weitere Essprobleme.

Zurück ins Wasser

Es hat mich einige Jahre gekostet, bis ich angefangen habe, wieder Sport zu treiben und Schritt für Schritt auf meinen Körper statt auf die Orthopäden-Stimme in meinem Kopf gehört habe.

Das war zumindest ein Anfang und er brachte mich als Studentin zurück ins Wasser und auch zum Aquafitness. Das war so ein Segen! Denn im nassen Element kann ich Bewegungen ausführen, die an Land schmerzhaft oder langfristig schädlich wären.

Durch das Aquafitness-Training konnte ich plötzlich viele Bewegungsmuster, die mich an Land nur kurzfristig gefesselt hatten, ins Wasser übertragen und neu erleben. Aquafitness wurde für mich Sportprogramm und Therapie zugleich. Denn auch in Phasen, in denen meine Hüfte Probleme macht, kann ich mir nun selbst helfen.
Zusätzlich unterstützt mich das Training dabei, größere Eingriffe so weit wie möglich hinaus zu schieben.

Der Anfang für ein neues Lebenskonzept

Seit mittlerweile 16 Jahren gehört Aquafitness zu meinem Leben. Ich habe dadurch nicht nur mein Körpergefühl, Kraft und Ausdauer wiedererlangt, sondern jetzt ist dieser Sport auch Basis meines Berufslebens.

Über meine Leidenschaft und mein anfängliches Hobby-Projekt Aquamondo habe ich 2014 die Körperakzeptanz-Bewegung kennen gelernt und irgendwann beschlossen, mich von Diäten ab- und meiner Selbstliebe zuzuwenden.

Sich darauf einzulassen fühlte sich nach 30 Jahren Diäten-Karriere wie eine Achterbahn-Fahrt an. Heute gibt es Tage, an denen ich vor dem Spiegel stehe und mir ehrlich sagen kann „Du siehst heute echt klasse aus – auch im Badeanzug“. Genauso gibt es Tage an denen ich hadere und mich dabei erwische, im Kopf die Kalorien meines Kuchenstücks zu zählen. Der Unterschied besteht darin, dass die guten Phasen zu- und die anderen abnehmen.

Ich bin davon überzeugt, dass auch im Falle der Körperakzeptanz der Weg das Ziel ist. Denn nur wer überhaupt in Bewegung kommt, kann den Wandel gestalten. Das kann man, wie fast alles im Leben, nicht mit dem Kopf begreifen, sondern nur mit dem Herzen und Körper erfahren.

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Liebe Tina, vielen Dank, dass du uns an einem Stück deiner Geschichte hast teilhaben lassen. Für Alle, die jetzt mehr über Aquamondo und Aquafitness wissen wollen:

Kontakt
Tina Stavemann
Phone: + 49 177 707 27 56

Email: stavemann@aquamondo.eu
Web: http://www.aquamondo.eu