Colours of Life – Das Leben ist bunt und vielfältig. Womit wir auch schon mitten im Thema sind. Denn Vielfalt und das Leben in allen seinen Facetten sind das zentrale Thema von Curvect. Dabei liegt mein Fokus darauf, Vielfalt in einem Bereich zu zeigen, dem in der medialen Welt, in der Öffentlichkeit, noch viel zu wenig Farbenspiel und Abwechslung zugeschrieben wird: der Plus Size Welt. Doch wie hat das Alles eigentlich begonnen und was hat das mit dem Thema des #maximaCOMEPASS Bloggeraward “Colours of Life” zu tun?

Der Anfang

Als ich meine erste Vogue in Händen hielt war ich etwa 10 Jahre alt. Es war Liebe auf den ersten Blick, die Fotografien, die Kleider, das Make-up. Wir könnten es modisch früh reif nennen, aber ich war hin und weg ;). Der Vogue folgten die Cosmopolitan, Elle oder auch Harper’s Bazaar. Eine ganze Kiste voller Ausschnitten aus Zeitschriften und Zeitungen mit Modestrecken, Accessoires und hinreißenden Outfits befindet sich heute unter meinem Bett. Gerne hole ich sie immer wieder hervor um mich davon inspirieren zu lassen.

Colours of Life, Bobby als Dirndl Braut

(c) Olga Kretsch Photography

Warum also reiche ich meinen Beitrag für den #maximaCOMEPASS Bloggeraward nicht in der Kategorie “Fashion”, sondern in der Kategorie “Feel” ein? Die Einleitung würde ja darauf schließen lassen.

Weil sich Mode zwar wie ein roter Faden durch Curvect zieht, aber die Vielfalt der Plus Size Welt, die “Colours of Life” sich nicht auf Mode beschränken. Mode war der Anfang.

Geschichten für die Anderen

Denn von Anfang an, war das Betrachten dieser Modefotografin immer auch mit etwas Wehmut verbunden. Als ich jünger war, konnte ich das Gefühl noch nicht so zu ordnen. Heute weiß ich, was es war: diese Fotos sind nicht für jemanden wie mich gemacht worden. Nicht für dicke Frauen, nicht mit dicken Frauen. Wunderschöne Frauen, wunderschöne Mode, ein aufregender Lifestyle, all das gab es nicht für ein dickes Mädchen. Geschichten wurden erzählt von erfolgreichen Frauen, von Karrieren, davon, wie man sich den perfekten Mann angelt, von schicken Schuhen, dem neusten Make-up oder der aktuellsten Chanel-Kollektion.

All diese Geschichten, all diese Bilder, zielten nicht auf mich ab. Sie zeigten mir im Laufe der Jahre eher, was ich, das dicke Mädchen, die dicke Frau, nicht haben konnte. Mir wurde nicht erzählt, wo ich Mode kaufen kann, Mode für mich wurde nicht gezeigt. Auch wie ich mich in meinem Körper wohlfühlen kann, war kein Thema. Das Thema war viel mehr der „perfekte Körper“, das „Wohlfühlgewicht in 7 Tagen“ zu erreichen.

Dramaqueen

Im ersten Moment klingen diese Beschreibungen für Aussenstehende oft befremdlich. „Übertreibst du da nicht ein bisschen?, oder, „das ist aber jetzt schon dick aufgetragen!“, höre ich öfter mal. Sich in dieses Thema rein zu steigern ist aber auch zu leicht für mich ;). Dennoch, nein, ich bin keine Dramaqueen. Nein, ich übertreibe nicht. Die mediale Welt – und nicht nur diese – scheint im ersten Moment nicht für eine Frau wie mich gemacht zu sein.

Denn es geht dabei nicht nur um Modestrecken und Models im Fernsehen. Es geht auch um den Alltag, in dem ich mich als dicke Frau einfach manchmal unpassend fühle. Egal ob dabei Tische in Restaurants so eng zusammen gestellt sind, dass ich nur schwer vorbei komme, oder mich Mitmenschen in Aufzügen schräg ansehen und sketpisch die „Maximallast-Zahl“ betrachten. Oder aber Männer und Frauen, die auf offener Straße zu mir kommen und mich fett nennen oder mich als fette Kuh beschimpfen.

Colours of Life, im Interview mit Conceit

(c) Karolina Staufer

Colours of Life – weil Farbenvielfalt nicht nur Vielfalt von Farben ist

Dabei, so denke ich mir oft, sollte es doch ganz einfach sein. Du bist, wie du bist, ich bin, wie ich bin und gut ist. Du schreibst mir nicht vor, wie ich zu leben habe und ich tue es bei dir nicht. Doch so einfach ist das Leben nun mal nicht. Da ich nie „passend“ im gesellschaftlichen Sinne war und über viele, viele Jahre hinweg, auch immer wieder mit Frauen und Männern gesprochen habe, denen es genau so ging, habe ich das Ganze dann einfach selbst in die Hand genommen.

Curvect ist dabei mein Sprachrohr, die mediale Grundlage für eine wichtige Botschaft: Plus Size ist vielfältig, die Plus Size Welt ist bunt. Alle Farben des Regenbogens sind vertreten. Die erfolgreichen dicken Menschen, die faulen dicken Menschen, die sportlichen Dicken, die gemütlichen Dicken. Die Yoga-Lehrerin, die Künstlerin, die Schriftstellerin, die Ärztin, die Friseurin, die Boutiquenbesitzerin uvm. Das ist das größte Geschenk meines Jobs: diese Vielfalt zu sehen, diese spannenden Menschen kennen lernen zu dürfen und darüber zu berichten.

Die Vielfalt der Plus Size Welt

Dabei geht es nicht nur um Mode. Sondern ebenso um Themen wie Reisen, Kunst, Kultur, Schönheit oder auch Gesundheit. Nur eines sucht man auf Curvect vergebens: Diättipps. Ob Berichte über Plus Size Burlesquetänzer, aktuelle Gesundheitsdebatten rund um das Thema Übergewicht oder auch ein Special zum Thema Plus Size Braut – dieses bunte Reportoire ist nicht einfach zufällig zusammen gewürfelt.

All das macht die Plus Size Welt aus. All diese wunderbaren Frauen, all diese bunten Outfits, all diese bezaubernde Bräute, diese intelligenten Menschen vereint eins: sie sind Plus Sizes.

Colours of Life, Curvect Bride Salon

(c) Fotograf und Fee

Warum eigentlich das Ganze?

Vor wenigen Tagen habe ich mir einer lieben Freundin gesprochen die meinte, dass meine Einstellung sehr politisch ist. Darüber hatte ich bis dato noch gar nicht so nachgedacht. Ist der Wunsch, dass Menschen ob ihres Gewichts in der Öffentlichkeit nicht mehr ausgelacht und verspottet werden politisch? Ist es politisch dicken Frauen zu sagen, dass sie schön sind? Das wäre jetzt wahrscheinlich ein guter Ansatz für einen weiteren Artikel ;).

Ehrlich gesagt, denke ich im ersten Moment nicht an ein politisches Statement. Es soll kein kleines Mädchen mehr weinend nach Hause laufen müssen, weil die Mitschüler es den ganzen Tag gehänselt haben und es fette Kuh und schlimmeres nannten. Keine dicke Frau soll mehr von anderen Menschen angestarrt oder sogar fotografiert werden, weil das etwas so Kurioses ist. Keine Demütigung mehr im Bekleidungsgeschäft, weil ein abwertendes: „Na in ihrer Größe haben wir die Jeans ganz bestimmt nicht“, kommt. Das sind freilich sehr ambitionierte Ziele.

Grenzen

Natürlich stoße ich dabei auch an Grenzen, an Menschen die mich nicht verstehen, die mein Ansinnen für fragwürdig halten. Aber einer guten Debatte bin ich noch nie aus dem Weg gegangen ;). Außerdem bin ich nicht mehr alleine, es gibt tolle Gastautorinnen, die regelmäßig Artikel posten und Curvect somit vielfältiger machen. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Denn darum geht es doch, Vielfalt zu zeigen, nicht eine Meinung, sondern einfach Aufmerksamkeit auf eine Welt zu lenken, die als Nische beschrieben wird, aber doch schon viel mehr Mainstream ist.

Dabei ist das Ziel immer zu Ermutigen, den LeserInnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Dass sie Grenzen, die ihnen von der Öffentlichkeit oft gesetzt werden, austesten und gerne auch überschreiten dürfen. “Du darfst lange Kleider tragen, aber sicher keine  Querstreifen”, “du darfst dich nicht schön finden oder wohl fühlen” – all diese “Regeln” werden uns dicken Frauen (und auch Männern), oft ein ganzes Leben lang eingetrichtert. So lange, bis wir es selbst glauben. Doch als Bloggerin habe ich die großartige Möglichkeit all dies zu hinterfragen und zu zeigen, dass es auch anders gehen kann.

Colours of Life, Plus Size Fashion Days Hamburg

(c) Happy Size Versand

Empowerment – sich wieder finden

Themen die, die LeserInnen berühren oder auch persönlich betreffen, die sie  motivieren. Artikel die informieren. Modestrecken die außergewöhnlich sind, die tolle Mode an Plus Size Frauen zeigen. Diskussionen die informieren, im besten Fall auch Gespräche in Gang bringen. Mit diesen Zielen bin ich an den Start gegangen.

Was mir am Ende bleibt, ist zu hoffen, dass ich auf einem richtigen Weg bin. Dass sich Plus Size Frauen bestärkt fühlen und verstanden. Daran arbeite ich und ja, habe auch sehr viel Spaß dabei. Positives Feedback ist dabei immer die aller beste Motivation.

So komme ich am Ende wieder zum Anfang: das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß. Es ist bunt, es ist vielfältig. Genau so vielfältig sind die Menschen, die sich darin bewegen. Egal ob dick oder dünn und das ist gut so!

Colours of Life, Curvect Brides beim Essen

(c) Siegrid Cain Photography

Colours of Life, buntes Outfit in den Straßen von Hamburg