Über kaputte Möbel möchte ich euch heute erzählen. Dabei ist nicht nur ein Artikel über ein Designhotel in Deutschland ein Thema, in dem dicke Menschen nicht erwünscht sind. Sondern auch Aussagen wie “..Also ich finde es persönlich diskriminierend, dass ich so einen Anblick ertragen muss – ehrlich gesagt. Und ich weiß, wenn ich dick bin, dass da was nicht stimmt. Und es hat auch nicht jeder was mit der Schilddrüse….”. Warum das alles kein Scherz ist und warum einem das nicht nur den Urlaub vermiest.

Kaputte Möbel

Wer kennt es noch, einmal aufzeigen bitte, wenn ein Möbelstück unter einem zusammenbricht? Lasst mich euch deshalb kurz von meiner tragischen Möbelgeschichte erzählen. Eine uralte Holzbank, einen Holz-Lattenrost und einen Stuhl kann ich dieser tragischen Geschichte hinzufügen. Denn all diese guten Stücke habe ich bereits demoliert. “Setz dich bitte nicht da drauf”, habe ich nach der kaputten Holzbank noch monatelang gehört, wenn ich mich im selben Haushalt auf ein anderes älteres Sitzmöbel niederlassen wollte.

Dabei habe ich auch immer besonderes “Glück” und finde genau das Möbelstück, das besonders morsch ist ;). Wobei mir dabei nicht zum Lachen zu Mute war. Die Sekunden in denen es “krach” gemacht hat waren jedesmal aufs neue demütigend und furchtbar für mich. Peinlich. Sehr sogar. Seit dieser Zeit beäuge ich Sessel, Bänke und Co. immer ganz genau. “Hält mich das aus?”, frage ich des Öfteren. Auch heute noch. Das ärgert mich einerseits, andererseits bekomme ich es nicht aus mir raus. Den Argwohn und die Unsicherheit.

Wie wäre es mit stabilen Möbelstücken?

Natürlich verstehe ich schon, dass Designermöbel besonders teuer und oftmals auch empfindlich sind. Design heißt nicht immer auch gleich mega Stabilität. Wobei – und einige meiner Freundinnen werden jetzt leis lächelnd den Kopf über mich schütteln – ich will es ja eigentlich nicht einsehen. Weil ich nicht verstehen will, dass Design nicht auch Stabilität für alle bedeuten kann. Abgesehen von Möbelstücken die vor Jahrhunderten entstanden sind, wenn heute neue Möbel entstehen, wieso können die dann nicht stabiler sein.

Ästhetik und Stabilität streiten sich? Ist das wirklich so? Nein, ehrlich, lasst es mich wissen, ich frage mich das schon länger. Davon einmal abgesehen, weiß ich, dass auch stabiler entworfen und gebaut werden kann und nein, das ist dann nicht Eiche rustikal (wie auch besagte Hotelbesitzerin in Deutschland verächtlich gemeint hat). Nichts gegen Eiche rustikal, doch ich habe in meinem Leben schon sehr schicke und stabile Möbel gesehen. Nur sind die meistens auch sehr teuer. Zum Glück habe ich einen handwerklich äußerst geschickten Mann an meiner Seite, der hat schon so manches Möbelstück einfach verstärkt ;).

Doch das kann ja nicht angehen. Menschen werden größer und schwerer, dem sollte wirklich Rechnung getragen werden.

Alltägliche Gemeinheiten

Abgesehen davon. Was bei dieser Geschichte der deutschen Hotelbetreiberin ja wirklich besonders aufregt, sind ihre Bemerkungen über dicke Menschen. Sie fühlt sich diskriminiert, wenn sie sich dicke Körper anschauen muss. Fabelhaft, so einfach kann Diskriminierung umgedreht werden. Ich selbst fühle mich ja eher von Menschen diskriminiert die so etwas sagen.

Nun ging dieses Thema einmal quer durch die (vor allem) deutschen Medien. In Österreich wurde es nicht so intensiv besprochen (ist ja auch in unserem Nachbarland und nicht bei uns passiert……). Zwei bekannte deutsche Bloggerinnen Verena Prechtl und Julia Kremer haben sogar aufgrund dieser Geschichte eine eigene Kampagne gegen Bodyshaming ins Leben gerufen.

Was für mich dabei einmal wieder gezeigt wird ist, wie selbstverständlich es ist, dicke Menschen zu demütigen und sich öffentlich über sie lustig zu machen. Ohne große Konsequenzen. Die breite Öffentlichkeit (no pun intended) stimmt zu oder es ist ihr egal. Denn mit Dicken kann man es ja machen. Die sind ja selber schuld, die sollen sich ändern. Wozu sollte die Gesellschaft wohl ihre Einstellung gegenüber dicken Menschen überdenken? Eben…*Ironie off*

Einmal mehr wird gezeigt, was man von uns hält. Das ist nicht schön, das ist verletzend und es gibt nicht wenige dicke Menschen, die sich diesen Blödsinn sehr zu Herzen nehmen. So werden in Zukunft noch mehr Möbelstücke argwöhnisch beäugt und auch Urlaubsdomizile werden mit einem mulmigen Gefühl betreten. “Wird man dort nett zu mir sein oder mich aufgrund meines Körpers belächeln?”, “Gibt es Bademäntel, die groß genug sind, oder muss ich peinlicher Weise am Empfang nachfragen, ob es den auch größer gibt?”, “Sind die Betten eh stabil genug, oder schlafe ich den ganzen Urlaub über unentspannt und verängstigt?”, hier stellen sich dicken Reisenden unangenehme Fragen.

Curvect Travel

Dabei kommt das Urlaubsvergnügen natürlich zu kurz. Denn wenn ich mir die ganze Zeit Sorgen machen muss, dann wird das nix mit einer entspannten und glücklichen, freien Zeit. Das ärgert mich, das stinkt mir, das motiviert mich. Schon länger achte ich beim Vereisen in Hotels und Pensionen darauf, wie mit dicken Menschen umgegangen wird, ob Bademäntel groß genug und Möbelstücke stabil sind. Ganz wichtig dabei auch: wie verhält sich das Personal gegenüber dicken Menschen, wenn diese zum Beispiel nach größeren Bademänteln fragen.

Fühle ich mich wohl genug um im Bikini oder Badeanzug an den Pool zu gehen, was ist, wenn ich das Buffet zum zweiten Mal aufsuche, um mir Nachschlag zu holen. Nicht erst einmal habe ich da Hotelangestellte hinter meinem Rücken tuscheln hören. Sowas darf und soll einfach nicht sein.

Deshalb habe ich mir gedacht, ich werde auf Curvect ein neues, wichtiges Projekt ins Leben rufen: Curvect Travel. Wo immer es mich hin verschlägt, wo immer ich auch absteige, wenn ich verreise, ich nehme euch mit. Zeige euch Betten, Bademäntel und das Platzangebot. Berichte über Höflichkeit oder Unfreundlichkeit des Personals und vieles mehr.

Plus Size als Label ist nicht nur ein Modeding. Denn auch beim Verreisen sollten Qualität und Standards für dicke Menschen passen. Für ein entspanntes und glückliches Urlaubserlebnis. Für uns alle!

Davon haben wirklich alle was (nicht nur dicke Menschen)

Davon haben übrigens alle was. Denn stabile Möbel sind jetzt nicht nur was für dicke Menschen. Die halten auch länger, im Sinne der Nachhaltigkeit ist das doch eigentlich nichts, was nur Plus Sizes betrifft. Ebenso was guten Service und Freundlichkeit betrifft. Das sind alles Dinge, die für alle Reisenden eine wichtige Rolle spielen.

Deshalb auch eine Bitte an euch: ihr kennt ein Hotel, eine Pension im In- oder Ausland die euch besonders gefallen hat oder ihr wurdet aufgrund eures Gewichts in einem Hotel beschämt und diskriminiert, lasst es mich gerne wissen. Ich erkunde und berichte ;).

 

 

Titelbild:

Fotografin Ursula Schmitz

Kleid: Asos Curve

Schmuck: geliehen, Kaufhaus Schiepek