…Und es gibt sie doch, die österreichischen Plus Size-Designer: heute dürfen wir euch Miriam Jezek vorstellen, deren Anspruch es ist Plus Size-Frauen in hochwertige (und nachhaltige!) Materialien zu hüllen und deren Ziel es ist eine Näherei in Österreich aufzubauen. Im Jänner feierte Miriam ihren Start als Newcomerin bei der Curvy in Berlin. In einem Interview hat Miriam uns etwas über ihre Ausbildung, ihren Anspruch an Mode und ihre Designs erzählt.

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Seit wann gibt es dein Label Grand Styles?

Seit 1.9.2015 gibt es meine Firma Miriam Jezek grand styles e.U. offiziell. Die Vorbereitungsarbeiten bis dahin haben bereits etwa 1 Jahr vorher begonnen.

Wo hast du deine Ausbildung erhalten?

Von 1998 bis 2000 habe ich das Kolleg für Mode- u. Bekleidungstechnik – Michelbeuern in Wien besucht und mit einem Diplom, REFA – Grundschein, abgeschlossen.

Von 2002 bis 2003 war ich dann an der Meisterschule für Damenkleidermacher – Herbststraße und habe dort meinen Meister gemacht.

Intensiver lernt man natürlich in der Praxis.

Angefangen habe ich in einem Dessousunternehmen nahe Wien: als Mitarbeiterin CAD/Cutplanning danach Assistentin Arbeitstechnik und schlussendlich als Designerin.

Zuletzt beschäftigt war ich bei einem Hersteller für erschwingliche Luxusprodukte in Vorarlberg: zuerst als Technische Produktentwicklerin Lingerie und bald darauf Gruppenleitung Produktentwicklung Lingerie, Swimwear und Legwear

Warum hast du dich entschieden Plus-Size-Mode zu designen?

Ich selbst trage Größe 46/48 und finde es sehr schwer passende und auch modische Kleidung abseits der überweit geschnittenen Zipfelshirts zu finden. Besonders im qualitativ hochwertigen Segment ist das Angebot sehr rar. Shoppingtouren mit meiner Mum (die selbst auch eine größere Größe trägt) endeten oft bei ein und derselben Modekette, in früheren Zeiten auch mal im Stoffgeschäft. Da ich auch noch auf großem Fuß lebe (Schuhgröße 43/44) war Bekleidung einkaufen für mich eher immer frustrierend. Es waren also zum einem die persönlichen Erfahrungen, das Feedback von Menschen die das gleiche Problem haben und natürlich auch eine ausgiebige Recherche in diesem Bereich.

Auszug aus einem Artikel der TextilWirtschaft 49 vom 04.12.2014 Seite 058 bis 059:

“Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Nürnberg, beziffert das Volumen des gesamten Big Size-Bekleidungsmarkts inklusive Wäsche in Deutschland mit 9,1 Mrd. Euro. Geht man davon aus, dass im DOB-Markt gut 31 Mrd. Euro umgesetzt werden, wird demnach jeder dritte bis vierte Euro von Frauen ausgegeben, die Konfektionsgröße 42 und mehr tragen. Sie tun dies mit immer mehr Lust auf Mode.”

 

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Warum setzt du bei deinen Designs vor allem auf Naturfasern und recycelte Materialien?

Die Kollektion setzt sich einerseits aus Materialien die dem GOTS-Gütesiegel entsprechen, aus Materialien von Überproduktionen und aus einem Teil konventioneller Materialien zusammen. Der Fokus ist dabei auf europäische Stofflieferanten gerichtet. Recycelte Materialien werden eventuell in der nächsten Kollektion zum Einsatz kommen, sind aber momentan noch nicht im Sortiment.

Die Stoffherstellung vom Garn bis zum fertigen Material durchläuft viele Prozesse. Bei einem klassischen Baumwollstoff kommen oftmals Pestizide bei der Pflanzung, Chemikalien beim Färben (die womöglich noch ungefiltert in das Grundwasser gelangen) und unfaire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung zum Einsatz. Das wirkt sich natürlich auf Umwelt und Mensch aus. Durch meine jahrelangen Erfahrungen in Nähbetrieben in- und außerhalb Österreichs kenne ich den täglichen Arbeitsalltag einer Näherin. Darum ist mir die Herstellung der Bekleidung und ergo auch die Herstellung der Stoffe unter nachhaltigen Aspekten ein großes Anliegen.

Anmerkung: Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern anerkannt. Auf hohem Niveau definiert er umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und fordert gleichzeitig die Einhaltung von Sozialkriterien.

Planst du auch über Größe 52 hinaus zu designen?

Ich habe mir da keine Grenzen gesetzt. Wenn die Nachfrage da ist, gerne!

Im Moment mache ich vom Design über die Schnitterstellung, Materialeinkauf, Produktion, Marketing, Verkauf alles selbst. Für 4 Größen (46-52) die Schnitte zu zeichnen ist bei meinem Arbeitspensum noch gut zu managen (teilweise unterstützt mich auch hier schon eine Freundin)

 

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Was ist dein Ziel mit Grand Styles Designs? Was sind deine Zukunftspläne, was möchtest du erreichen?

Das übergeordnete Ziel ist es, Frauen in großen Größen moderne Designermode anzubieten, die qualitativ hochwertig in Material und Verarbeitung ist.

Durch die körpernahe Schnittgestaltung möchte ich das Selbstbewusstsein dieser Frauen insofern stärken, als dass man auch in einer Größe 52 durchaus passend gekleidet seinen Körper zeigen kann und nicht verstecken muss.

Ein weiteres Ziel ist es die Wertschätzung für Produkte und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu stärken.

Durch den Überfluss an Billigwaren ist oft gar nicht mehr bewusst wieviel Arbeit hinter einem Produkt steckt.

Einer meiner ambitionierteren Pläne wäre es, eine eigene Näherei in Österreich auf zu bauen, die dann auch anderen Designern die Möglichkeit bieten könnte Ihre Produkte heimisch produzieren zu lassen. Von einem eigenen Store wage ich es noch nicht zu träumen, schlummert aber natürlich tief im Unterbewusstsein.

 

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Vielen Dank für deine Zeit liebe Miriam, wir freuen uns schon auf weitere gemeinsame Projekte, wünschen dir für die Zukunft viel Erfolg und freuen uns auf deine neue Kollektion!

Miriams Designs findet ihr hier: http://www.grandstyles.at/kol_herbstwinter2015/

 

Alle Bilder (c) Miriam Jezek