Liebe Barbara Schöneberger, ein Fatsuit, ein Instagramvideo der dicken essenden Frau und eine “Ich glaube fest daran, dass Röllchen bald wieder Trend sind”-Aussage haben ja für ganz schön Wirbel gesorgt. Warum ich mich als dicke Frau hier nicht ernst genommen fühle, sondern sogar der Meinung bin, dass Sie meinem Image Schaden zugefügt haben.

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Liebe Barbara Schöneberger

Dabei soll “Barbara” doch so anders sein. Ein Magazin, das eben nicht eines der typischen Frauenmagazine ist. Nicht nur Diätenfrei, sondern auch frei von Selbstoptimierungstipps. Dafür soll das Barbara Magazin stehen. So nehmen auch Sie sich ja kein Blatt vor den Mund und stehen öffentlich zu ihrer Meinung. Gut so und auch sehr wichtig. Sich nicht zu ducken und zu tun, was alle anderen tun.

Dennoch, dass aktuelle Cover Ihres Magazins zeigt mir eines wieder einmal deutlich: Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht. Denn, soviel sei vorweg genommen, als dicke Frau mit einer Kleidergröße 52 und einem Körper, der ganz ohne Fatsuit groß und rund ist, fühle ich mich mächtig verschaukelt.

Der dicke Körper

Doch ich gehe sogar weiter. Ich fühle mich einmal mehr diskriminiert und stigmatisiert. Während Sie ihren Fatsuit nach getaner Arbeit wieder ausgezogen haben, trage ich meinen dicken Körper jeden Tag. Dies ist keine Beschwerde, sondern eine Feststellung. Deshalb erlauben Sie mir, kurz zu skizzieren, was das für mich jeden Tag bedeutet.

Im ersten Moment nicht viel, stehe ich doch morgens auf und mache mich für den Tag zurecht. Jeder Mensch hat da so seine Routine, da unterscheidet mein dicker Körper sich nicht von dünneren Versionen. Anders wird es erst wenn ich nach draußen gehe, ein Magazin aufschlage oder den Fernseher einschalte. Da zeigen sie sich, die Unterschiede.

Die Sache mit den Klischees

Da schalmeit es mir von jeder Seite zu: du bist anders, du bist krank, du isst zuviel (häufig wird bei dicken Menschen gerne auch du frisst zuviel gesagt, um das ekelhafte in der dicken, essenden Person besonders hervor zu streichen), du passt nicht in reguläre Kleidung, du brauchst mehr Platz, du machst zu wenig Sport, du brauchst eine Gurtverlängerung in Flugzeugen, du ernährst dich falsch, du bist nicht leistungsfähig genug, du bist eine Witzfigur, du wirst früher sterben.

“Dicke müssen sich im Alltag mit Vorurteilen und Ausgrenzung rumschlagen: Dass füllige Menschen Nachteile im Job haben, zeigt etwa eine Studie der Universität Tübingen aus dem Jahr 2012. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass Personaler dickeren Menschen fast nie einen Job mit hohem Prestige zutrauen. Für eine Abteilungsleiterstelle wurden sie ebenfalls selten ausgewählt. Besonders betroffen waren demnach Frauen von den Vorurteilen.”*rnz “Du bist zu dick..” vom 5.4.2018

Unabhängig davon ob diese Klischees und Vorurteile stimmen oder nicht. Jeden Tag meines Lebens sind diese in der ein oder anderen Art vorhanden. Sie fallen mir nicht immer auf oder brüllen mir direkt ins Gesicht. Doch sie umgeben mich, hüllen mich ein, bei jedem Schritt den ich mache, bei Gesprächen die ich führe, bei Bewerbungen die ich schreibe, bei Kundenterminen, beim Essen eines Snacks auf der Straße, dem Besuch eines Restaurants oder Theaters. Beim Kleiderkauf. Immer, überall, täglich.

Dies klingt ihrer Meinung nach sehr dramatisch? Nun, so geschrieben betrachtet ist es das irgendwie auch. Doch im täglichen Leben nehme ich das gar nicht mehr so wahr. Es gehört zu mir, wie mein Schatten oder auch das Grübchen auf meinem Kinn.

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..am Cover

Allerdings gibt es Momente, in denen es mir besonders auffällt. Genau so einen Moment hatte ich gestern, als ich das aktuelle Cover des Barbara Magazins gesehen habe. Barbara Schöneberger im Fatsuit? Ich war verwirrt und erstaunt, gar etwas geschockt. Was genau sollte das denn Bitte?

Dabei war ich mir nicht sicher was genau hier vermittelt werden soll. Die Anleitung für den Faschingskostümknaller 2019, ein schockierendes Bild, ein Aufreger zur Steigerung der Auflage? An eine Aussage gegen Vorurteile und gängige Schönheitsideale habe ich dabei allerdings nicht gedacht.

Gut, das ist natürlich subjektiv, keine Frage. Doch meines Erachtens nach trägt das Anziehen eines Fatsuits nicht zum Vorurteilsabbau und zum besseren Verständnis dickerer Körper bei. Denn dabei werden dicke Menschen eher zur Lachnummer gemacht. Auch die Aussage: “Ich glaube fest daran, dass Röllchen bald wieder Trend sind,” zeigt mir, dass es hier ein Missverständnis gibt.

Denn mein Körper ist kein Trend. Zugegeben, bei meinem Körper würden weder ich noch andere darauf kommen, verniedlichend von “Röllchen”  zu sprechen. Dennoch, mein Körper ist kein Trend, er ist eine Tatsache, er ist mein Motor, er ist Teil meines Jobs – er ist mein Leben.

Ich ziehen ihn Abends nicht aus und ich füttere ihn auch nicht mit großen Löffeln, aus großen Schüsseln direkt am Buffet. Auch wenn es vielleicht mit einem Augenzwinkern gemeint ist und gegen allgemeine Vorstellungen von “Norm & Schönheit” angehen soll – solches Bildmaterial trägt dazu bei Vorurteile gegenüber dicken Menschen nur zu verstärken.

Weil gut gemeint nicht immer hilfreich ist

„Warum glauben viele von uns, dass sie nicht hübsch genug sind? Wer sagt denn, dass dünn sein wirklich schön ist?“ Barbara Schöneberger, Barbara Magazin Heft 33/2019

Nun sind Sie liebe Barbara Schöneberger eine Frau, die ebenso öffentlichem Druck unterliegt. Noch mehr sogar, denn als erfolgreiche Moderatorin, Schauspielerin und Herausgeberin sehen auch Sie sich ja immer wieder Körperkritik ausgesetzt. So kommentieren Medien jede ihrer Kurven oder auch Gewichtsabnahmen.

Dass Sie so auch verstehen, wie es ist einer gewissen Körperkritik und vorgegebenen Normen ausgesetzt zu sein, ist logisch. Allerdings, das unterstelle ich hier einfach mal, haben Sie keine Ahnung, wie es ist einen Körper zu haben wie den der Frau, deren Fautsuit Sie sich angezogen haben.

Dies zeigt mir auch das Video, das Sie auf Instagram gepostet haben. Denn das Bild des direkt aus der Schüssel essenden dicken Menschen, mit großen Löffeln – damit verbundenen großen Mengen – unterstreicht ein Stigma, dem ich nicht entspreche und auch gar nicht entsprechen will. Zementiert es doch ein Vorurteil, das so oft gar nicht stimmt.

Liebe Frau Schöneberger, das Hinterfragen von Normen und Idealen ist wichtig. Dass Sie als erfolgreiche Frau in der Öffentlichkeit sich des Themas annehmen ist fabelhaft, allerdings wäre es toll, wenn Sie auch wirklich dicken Menschen Gehör verschaffen würden. Wenn Sie sich wirklich mit der Lebensrealität dicker Körper beschäftigen würden. Wenn Sie auf dem Cover einmal von vielen Frauen mit unterschiedlichen Körperformen umringt wären.

Es würde mich freuen, eimal mit Ihnen über Körpernormen und Vorurteile sprechen zu dürfen. Darüber, wie es ist, auf der Straße angestarrt zu werden, wenn man ein Croissant ist, ausgelacht zu werden, weil der eigene Körper dicker ist, aber auch darüber, wie es sich für Sie anfühlt, ständig ob des eigenen Körpers be- und verurteilt zu werden.

Bis dahin verbleibe ich mit lieben Grüße aus Wien, Bobby

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*https://www.rnz.de/wissen/medien_artikel,-du-bist-zu-dick-dick-und-diskriminiert-was-es-mit-body-shaming-auf-sich-hat-_arid,349609.html

https://www.brigitte.de/barbara/