Finalistinnen der Altersgruppe zw. 31 und 45 Jahren (c) Tiffany La / Wundercurves

Finalistinnen der Altersgruppe zw. 31 und 45 Jahren (c) Tiffany La / Wundercurves

Nach langen Monaten der Vorbereitung war es am 10. und 11. September soweit: die Wahl zur Miss North Aurora fand in St. Petersburg statt. Dabei wurden zwei Missen gewählt, einmal in der Altersgruppe von 18 bis 30 und in der Altersgruppe von 31 bis 45 Jahren. Die zukünftigen Missen haben sich monatelang auf dieses Event vorbereitet, mit Stylisten, Make-up Coaches und Fotografen gearbeitet und ein spezielles Fitnessprogramm erstellt. Neben all dem harten Training und der Professionalität ist eine Botschaft für die Veranstalter der Miss North Aurora Wahl wichtig: die Akzeptanz von Plus Size in der Gesellschaft zu fördern.

Curvect konnte leider nicht vor Ort sein, aber einige der Mädels der deutschen Plus Size Plattform Wundercurves: einem Marktplatz / Magazin, das sich an Frauen ab Größe 42 wendet. Das Anliegen: Plus Size Frauen die Möglichkeit zu geben ihre Liebe zur Mode auszuleben und moderne, schicke Mode zu finden. Nane, Magazin-Leiterin und Tiff, Fashion-Expertin und Fotografin, waren so lieb und haben für uns einige Fragen bezüglich der Wahl beantwortet und uns Fotos zur Verfügung gestellt und geben uns so einen Blick hinter der Kulissen.

Jury der Wahl zur Miss North Aurora (c) Tiffany La / Wundercurves

Jury der Wahl zur Miss North Aurora (c) Tiffany La / Wundercurves

Wie ist das eigentlich in Russland, weißt du wie Plus Size da gesehen wird? Haben die Teilnehmerinnen etwas darüber erzählt?

Plus-Size beginnt, wie bei uns auch, zumindest für den Konsumenten bei Konfektionsgröße 40/42+. Im Unterschied zu Deutschland ist es in Russland jedoch so, dass der Durchschnitt der russischen Frauen bereits Größe 48/50 trägt. Das hat uns die Veranstalterin der Miss North Aurora erzählt, das konnten wir zwar nicht für das Stadtbild St. Petersburg bestätigen, aber man darf nicht vergessen, dass es sich hier um eine 9-Millionen-Metropole handelt. Gerade in den ländlichen Bereichen definiert sich die Frau mehr über eine gute Mutter, eine gute Köchin und eine gute Hausfrau. Dazu passt das weibliche, kurvige Bild einer Frau natürlich gut. Generell vermittelten aber die Teilnehmer und auch Besucher der Fashion Messe, dass Plus-Size als normal angesehen wird – zu einer richtigen russischen Frau gehören ein paar Kurven einfach dazu.

Ana Shishova (Veranstalterin der Misswahl) & Oksana Zharovina (c) Mila Zhadanova

Ana Shishova (Veranstalterin der Misswahl) & Oksana Zharovina (c) Mila Zhadanova

Wenn ich das richtig gesehen habe, dann habe eine ganze Menge russische Plus Size Designer mitgewirkt..wieviele waren das genau?

21 Designer haben sich an dem Fashion Markt beteiligt. Dabei waren viele verschiedene Länder vertreten, Politik hat in der Modebranche augenscheinlich keinen großen Einfluss. Ob die Ukraine, Kasachstan oder auch Bulgarien – die Vielfalt war groß. Fünf weitere Designer haben zudem die Finalistinnen der Misswahl an den beiden Abenden der Veranstaltung ausgestattet.

Wie sieht man Plus Size Fashion in Russland? Pompös, schlicht, gut geschnitten?

Der Stil ist in jedem Fall pompöser als bei uns. Die kurvigen Frauen beweisen jede Menge Mut, was knallige Farben und ausgefallene Schnitte angeht. Meist weiblich und figurbetont geschnitten, sind es vor allem die Details und Eyecatcher, die ins Auge stechen. Ob Volants, Strass-Steine, große Schleifen oder romantische Spitze – besondere Akzente ließen sich fast bei jedem Look entdecken. Im Kontrast dazu steht jedoch, dass die Auswahl an Mode in großen Größen wesentlich kleiner ist als bei uns in Deutschland, gerade was trendbewusste Kollektionen angeht. Trotzdem waren alle Ladies immer sehr gut angezogen und es fiel auf, dass sie sich stärker zurecht machen als bei uns, gerade auch das Styling und Make-up ist immer auffällig und stark inszeniert. Plus-Size-Models auf der anderen Seite gibt es in Russland noch nicht so viele, die gebuchten Frauen vor Ort sahen das Modeln eher als Hobby, nicht als professionelles Business.

Foto: Victor Verstukov

Foto: Victor Verstukov

Wie war das Event selbst, professionell gestaltet? Hat man viel Werbung im Land gemacht?

Zuerst muss gesagt werden, dass es sich bei dem Fashionfestival um ein Pilotprojekt handelte. Die Misswahl hat schon eine lange Tradition, die Ausstellungen und Präsentationen der Designer tagsüber gab es in diesem Jahr zum ersten Mal. Das mit der Werbung hat leider nicht so gut geklappt, es waren wesentlich weniger Besucher vor Ort, als im Vorhinein angekündigt, was sowohl für die Veranstalter als auch für die ausstellenden Designer nicht so einfach war. Aus Kostengründen wurde vorwiegend Social-Media-PR betrieben, das Marketing vor Ort hat klar gefehlt und so kam es, dass ein Großteil der Besucher aus Familie und Freunden der Kandidatinnen bestand. Die Ansätze des Fashionfestivals sind aber durchaus mehr als positiv hervorzuheben – es gab an beiden Tagen tolle Catwalks mit den Kollektionen der ausstellenden Designer, für die Besucher wurden Umstylingaktionen sowie personalisierte Shoppingbegleiter angeboten, es gab interessante Workshops zu Themen wie selbstbewusstem Auftreten oder dem richtigen Posing. Leider fehlten aber Timetables für die Besucher und die Zuordnung der einzelnen Stände in den verschiedenen Räumen war undurchsichtig und nicht genügend strukturiert. Die Location war ein wunderschöner historischer Altbau, dessen Stärken aber noch mehr genutzt hätten können, gerade was die Ausleuchtung der Räume auch betrifft. Die Misswahl an sich war toll umgesetzt. Der kreative Ansatz mit dem gesellschaftskritischen Hintergrund bei der Gruppe der Luxury Age durch die Inszenierung der Läufe mit einer sich verändernden Maske, die für die unterschiedlichen Rollen im Leben einer Frau stehen, hat uns beeindruckt. Die Kandidatinnen hatten eine dreimonatige Vorbereitungszeit mit Lauftraining, Fotoshoots, Workshops mit kontinuierlicher psychologischer Betreuung und Stylecoaching, das hat uns gut gefallen und zeigt einen professionellen Anspruch. Für die Jury hatte die Auswertung der Psychologin dann auch einen hohen Stellenwert für die Beurteilung.

Aus welchen Ländern waren Blogger, Journalisten und Co. vor Ort?

In der Jury der Misswahl saß eine Pinup-Bloggerin mit eigener Modelagentur aus Moskau, auch eine berühmte Schauspielerin aus St. Petersburg und ein renommierter Dichter war vertreten. Begleitet wurde das ganze Festival vom russischen Fernsehen und drei russischen Fotografen sowie verschiedener osteuropäischer Presse. Leider waren kaum Blogger vor Ort, aber die Szene ist hier wohl auch nicht so stark ausgeprägt. Andere internationale Teams haben wir leider nicht gesehen, man muss in diesem Zusammenhang aber auch die Sprachbarriere bedenken, nur wenige Anwesende waren des Englischen mächtig, da war es schon sehr gut für uns, dass wir Natalia mit ihren Russisch-Kenntnissen dabei haben durften.

Catherine Gorokhov Foto: Mila Schdanow

Catherine Gorokhov Foto: Mila Schdanow

Wie hat es euch gefallen? Was habt ihr für einen Eindruck?

Für uns war es eine tolle Erfahrung, bei dem Fashionfestival dabei sein zu dürfen. Kulturelle und stilistische Unterschiede wurden schnell durch die Inszenierung der Finalistinnen und Models deutlich, aber genau das macht es ja so spannend. Hinsichtlich des Fashion Markts tagsüber gab es noch jede Menge Luft nach oben, was Planung und Organisation angeht, aber dafür war der Teil ja auch ein Pilotprojekt. Der Spagat zwischen den Besuchern und den ausstellenden Designern muss durch eine Ausweitung der Zielgruppe im nächsten Jahr definitiv besser gelingen. Aktuell suchen die Veranstalter nach europäischen Sponsoren (Labels für Mode, Kosmetik und Schmuck), um im kommenden Jahr mehr Geld in die Werbung stecken zu können.

Die beiden Missen (c) Tiffany La / Wundercurves

Die beiden Missen (c) Tiffany La / Wundercurves

Liebe Wundercurves-Mädels danke für die tollen Bilder und euren Blick “behind the scenes”!