Body Love: liebe deinen Körper

Seinen Körper lieben, sich selbst lieben – das ist die Aussage der Body-Love-Aktionen von Fotografin und Plus Size Model Silvana Denker. Curvect hat mit dem erfolgreichen Model über ihre Idee, ihre Karriere und ein “reales Frauenbild” gesprochen.

Wie kam es zu der Idee des Body-Love-Projekts? Wieso hast du die Aktion gestartet?

Ursprünglich sollte ich eine Fotoserie für ein Plus Size Magazin fotografieren, dazu habe ich 3 Plus Size Models nackt abgelichtet, Brust und Intimbereich verdeckt. Leider hat das Magazin nach dem Shooting kurzfristig das Konzept geändert, so dass die Serie nicht mehr passte und so beschloss ich, daraus eine eigene Fotostrecke zu machen. Beim weiteren Überlegen kam mir in den Sinn, daraus etwas machen zu können, dass auch bewegt und wie kann man möglichst viele Menschen erreichen? Indem man Aufmerksamkeit erregt und so entstand die Idee, 8 Frauen mit je einem Buchstaben des Wortes Bodylove auf den Körpern in einer Fußgängerzone abzulichten. Eigentlich hatte ich das nur für Siegen geplant, also die nächste größere Stadt von mir aus. Da die Resonanz aber so überwältigend gut war und mich viele Leute anschrieben, ob ich das nicht auch in ihrer Stadt machen könnte, ist daraus nach und nach eine Tour geworden.

Wie motivierst du die freiwilligen Models, wie nimmst du ihnen die Scheu?

Ich halte vor jedem Shooting eine kleine Ansprache, sag den Mädels, dass sie sich groß machen und zeigen sollen, so wie sie sind und sie alle genau so perfekt sind. Die meisten, die sich bewerben, sind aber auch nicht sehr scheu, sie wissen ja, was auf sie zukommt und haben sich bewusst dafür beworben.

(c) Silvana Denker

(c) Silvana Denker

Wie reagieren Passanten auf euch?

Tatsächlich im Großen und Ganzen mehr als positiv. Natürlich gibt es immer auch mal den ein oder anderen Deppen dazwischen, der einen blöden Spruch los lässt, in Hamburg musste ich auch einen Herrn bitten, sich doch nicht mit seinem Handy hinter die Damen zu hocken, aber sonst ernten wir immer viel Applaus und Zuspruch. Gerade in Berlin haben mich sehr viele Passantinnen angesprochen und die Aktion gelobt.

Du möchtest ein “reales Frauenbild” zeigen, was bedeutet das?

Für mich bedeutet das nicht perfekt sein, Vielfalt, unterschiedliche Facetten.

Kein Mensch kann das vermeintliche Idealbild erfüllen, das uns von den Medien immer vorgesetzt wird.

Wir Frauen sind groß, klein, dünn, dick, haben Dellen, Röllchen, Streifen, die eine hat breitere Hüften, die andere einen kleinen Busen, das ist die Realität und nicht das, was immer gern propagiert wird.

Wie stehst du zum Thema Photoshop / Filter?

Ich arbeite gern auch mit Photoshop, weil es zu meinem Beruf gehört. Es kommt aber auch immer darauf an, für wen ich arbeite und was vom Kunden gewünscht ist. Bei der Bodylove-Serie, die ja ursprünglich für ein Magazin war, habe ich auch erst retuschiert, bin aber dann dazu übergegangen, das nicht mehr zu tun, weil ich eben die oben genannte Realität zeigen möchte. Die Fotos in den Fußgängerzonen zB sind alle nicht retuschiert.

(c) Alexandra Ehlert

(c) Alexandra Ehlert

Wie gehst du mit Kritik an deinem Körper / deinem Aussehen um?

Ich nehme sie mir nicht mehr zu Herzen, muss aber auch zugeben, dass ich im echten Leben bislang kaum damit zu kämpfen hatte. Wo es natürlich immer wieder auftaucht, ist im Internet, da gab es schon so manchen Shitstorm unter Interviews, die ich gegeben habe. Aber ich lese mir das ehrlich gesagt gar nicht durch. Man kann es sowieso nicht allen recht machen und wieso sollte ich auch 😉

Was ist für dich schön?

Ich finde, das kann man gar nicht so konkret sagen. Manchmal verbirgt sich Schönheit oder lässt sich erst auf den zweiten Blick erkennen, Schönheit ist auch nicht immer nur das Aussehen. Mir ist zB schon oft passiert, dass ich einen für mich zunächst schönen Menschen kennengelernt habe, nachdem sich dann herausgestellt hat, dass sich dahinter ein mieser Charakter verbirgt, war die Schönheit verflogen und umgekehrt genauso. Schönheit findet man in einem echten Lächeln, strahlenden Augen, Selbstbewusstsein, usw.

Hast du schon mal darüber nachgedacht mit deiner Body-Love-Aktion auch nach Wien zu kommen?

Ich habe tatsächlich sehr große Pläne mit der Aktion, wenn es sich finanzieren lässt. Wien steht auf jeden Fall auch auf meiner Liste. Aktuell sammle ich mit einer Crowdfunding Kampagne Geld und bin auf der suche nach Sponsoren, um das realisieren zu können.

collage

Deine Karriere hat ja eigentlich vor der Kamera gestartet. Du bist ein erfolgreiches Plus-Size-Model. Seit wann modelst du?

Nicht ganz, ich habe bereits 2007 Fotodesign studiert und stehe schon länger hinter der Kamera, nur in den Plus Size Bereich bin ich erst auch als Fotografin gekommen, nachdem ich auch Model geworden bin. Damit habe ich 2010 professionell begonnen, früher habe ich zwar hier und da auch schon Fotoshootings gehabt, das ganze aber nur als Hobby gesehen. Ich war damals zwar schlanker, aber mit Kleidergröße 38 immer noch zu kräftig, um als Model zu arbeiten (von Plus Size Models hatte ich damals noch nichts gehört).

2010 bin ich dann auf den Ulla Popken Modelcontest gestoßen, weil mich eine Bekannte darum bat, sie dafür zu fotografieren. Kurzerhand schickte ich auch mal zwei Fotos ein und landete tatsächlich im Finale. Obwohl ich am Ende nicht gewonnen habe, wurde ich kurz darauf von meiner ersten Modelagentur unter Vertrag genommen.

Wie hat deine Karriere begonnen?

Wie gesagt, durch den Ulla Popken Modelcontest, der im Herbst 2010 stattfand, im Fühjahr 2011 wurde ich dann direkt für mein erstes Katalogshooting für Ulla Popken gebucht und bin nach Las Vegas und Los Angeles geflogen.

Richtig Fahrt nahm das Ganze dann ab 2012 auf, nachdem ich im Sheego Kurvenstars Kalender war und die Presse begann, über mich zu berichten.

Für welche Labels hast du schon gemodelt?

Da waren schon einige tolle dabei, Ulla Popken, Carmakoma, Doris Megger, Sheego, Navabi, Sallie Sahne, Ophilia, Studio Clothing, Zalando. Dann auch für diverse Magazine wie Bild der Frau, Donne con le Curve, Plus Model Magazine, Modenschauen für zig Labels, auch beid er Kollektionspremiere der Ulla Popken Kollektion von Harald Glööckler…

Was sollte ein Plus-Size-Model unbedingt mitbringen?

Zunächst einmal muss ein Plus Size Model die richtigen äußerlichen Voraussetzungen mitbringen, wie zB eine Körpergröße von mindestens 1,73m, sollte gute Proportionen haben, ein schönes Gesicht, gute Haut. Wichtig ist zudem ein gutes Körpergefühl und Disziplin. Entgegen der Annahme, als Plus Size Model könne man essen was man will und bräuchte sich nicht zu bewegen, sollte man seinen Körper doch fit und in Form halten. Der Job eines Plus Size Models ist der selbe wie der der schlankeren Kollegen, der einzige Unterschied ist die Konfektion.

Unterscheidet sich die Arbeit eins Plus-Size-Models von der eines anderen Models?

Nein, absolut nicht, wie gesagt, der einzige Unterschied ist die Kleidergröße.

Ist der Konkurrenzdruck groß?

Natürlich sind in den letzten Jahren immer mehr Models auf den Markt gekommen oder Mädels, die es gern sein wollen und das bedeutet mehr Konkurrenz. Trotzdem finde ich es im Plus Size Bereich immer noch sehr entspannt, die meisten kennen sich untereinander und man freut sich für die andere, wenn sie einen tollen Job bekommen hat. Also ich sehe das zumindest so und kenne auch viele, denen es ebenso geht.

Unterscheidet sich deine Arbeit in Deutschland von deiner internationalen Arbeit als Model?

Außer, dass ich dann Englisch sprechen muss eigentlich nicht 😉 Buchungen laufen ja immer über die Agentur und das läuft dann genauso ab, wie bei einer Buchung in Deutschland. Aber es ist natürlich toll, reisen zu können, viele neue Menschen zu treffen und immer unterwegs zu sein.

Mit all deinen Erfahrungen der letzten Jahre und all dem Wissen, dass du heute über die Model-Welt hast, würdest du wieder mit dem Modeln beginnen?

Auf jeden Fall, ich würde sogar schon viel früher damit beginnen und hätte mir mein Tattoo auf dem Rücken nicht stechen lassen 😉 Ich habe früher immer damit gehadert, dass ich zugenommen habe, heute weiß ich, dass das alles seinen Sinn hatte und es gut so war. Ich freue mich so darüber, meinen kleinen Beitrag leisten zu können, um etwas zu bewegen in dieser Welt, das alles könnte ich nicht, hätte ich niemals mit dem Modeln begonnen.

Silvana Denker, Foto (c) Léon Valjé

Silvana Denker, Foto (c) Léon Valjé

Wie achtest du auf deinen Körper – was tust du um ihn fit und gesund zu halten?

Leider hatte ich im letzten Jahr gesundheitlich mit einigen Rückschlägen zu kämpfen, so dass ich nicht so fit bleiben konnte, wie ich es gewohnt bin, aber auch damit werde ich bald wieder starten. Ich mache schon seit ich denken kann Sport und den auch mit Freude, ich koche meist selbst, wenn ich daheim bin und trinke als ehemaliger Cola Light Junkie mittlerweile auch nur noch Wasser. Ich rauche nicht und trinke weder Kaffee noch Alkohol. Allerdings kann ich mir ab und zu eine Pizza nicht verkneifen 😉

Liebst du dich selbst?

Mittlerweile ja, auch, wenn mich manchmal die Kilos, die ich im letzten Jahr zugenommen habe, nerven. Aber dann sag ich mir immer, dass ich deshalb doch kein schlechterer oder anderer Mensch bin. Ich bin ich und das wird nicht durch eine Kleidergröße definiert. Ich habe so manchen Schicksalsschlag gemeistert, habe mich mit eigener Kraft aus dem ein oder anderen Loch heraus gezogen und darauf bin ich stolz. Ich bin froh, der Mensch zu sein, der ich geworden bin.

Wurdest du schon einmal aufgrund deines Gewichts beleidigt / ausgegrenzt oder benachteiligt?

Die schlimmste Beleidigung im realen Leben habe ich tatsächlich bekommen, als ich noch Kleidergröße 38 trug. Damals bei einem kleinen Fotoshooting für einen Onlineshop war ein weiteres Model anwesend, Kleidergröße 32, und sagte zu mir während sie mich von oben bis unten musterte: „Ja, ja, ich war ja auch mal so dick wie du!“ Das hat mich damals doch ziemlich getroffen, weil es in einer Zeit war, in der ich mich selbst auch überhaupt noch nicht mochte und immer zu dick fand.

Seit ich etwas mehr wiege, ist mir so etwas tatsächlich nicht wieder passiert, von oben erwähnten Shitstorms mal abgesehen

Wenn du bei deinen Body-Love-Aktionen nicht hinter der Kamera stehen müsstest, würdest du selbst auch mitmachen?

Tatsächlich habe ich schon darüber nachgedacht, mich auch mal dazu zu stellen, mal schauen 😉

Welche Projekte planst du für die Zukunft? Möchtest du weiter als Fotografin arbeiten?

Mit meiner Fotografie bestreite ich ja meinen Lebensunterhalt, das ist der Beruf, den ich gelernt habe 🙂 Trotzdem möchte ich auch gern wieder mehr als Model arbeiten und sobald ich wieder fit bin, werde ich das auch tun.

Dazu bringe ich ja auch jedes Jahr meinen Charity-Kalender CURVeveS heraus, ein Kalender mit kurvigen Frauen ab Kleidergröße 40, dessen Erlös komplett an den Verein Brustkrebs Deutschland eV gespendet wird. Die Vorplanung beginnt im Januar 🙂

Was würdest du einer jungen Frau sagen, die gerade versucht sich und ihren Körper zu akzeptieren? Ein Rat?

Nehmt euch den Druck raus, seid entspannter mit euch selbst und lasst euch nichts einreden.

Und vor allem, definiert euch selbst nicht über Äußerlichkeiten, ihr seid so viel mehr!


Silvana Denker kurz und bündig:

Mein Lieblingskleidungsstück: Mein Bleistiftrock

Mein Lieblingsrestaurant: Italiener (ich liebe Pizza und Pasta ;))

Meine wichtigste Moderegel: Hauptsache wohlfühlen

Dieses Kleidungsstück begleitet mich auf jeder Reise: Shapewear 😀

Mein liebstes Reiseziel: Dänemark

Am besten entspanne ich bei / wenn: ich schlafe

Das mag ich an meinem Körper am liebsten: Mein Gesicht

Ich trage Kleidergröße: 46

Warum ich mich mag: Weil ich vieles überstanden und geschafft habe, alles aus eigener Kraft, mich nicht habe unterkriegen lassen und immer weiter gemacht habe, auch, wenn es manchmal nicht gut aussah.

Das sagen meine Freunde über mich: Ich glaube, die meisten sagen, dass ich ein netter, freundlicher Mensch bin, manchmal vielleicht sogar zu nett 😉