Vor einigen Wochen habe ich ein langes Gespräch mit der bildenden Künstlerin Veronika Merklein geführt. Dabei ging es nicht nur um ihre künstlerischen Projekte (darüber haben wir auf Curvect bereits berichtet), sondern auch um das Thema Bodypositivity. Körperliebe, die Wahrnehmung von dicken Menschen in Österreich und den USA und auch um Veronikas ganz persönliche Körperakzeptanz.

Bevor ich euch in den nächsten Wochen mehr über Veronikas Expertise und Erfahrungen berichte, heute ein kleiner Einstieg. Veronika über dick sein, sich mögen und über “ich kenn’ dich nicht, aber ich wasch dich trotzdem”…;)

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(c) Veronika Merklein, Foto: Christian Messner

(c) Veronika Merklein, Foto: Christian Messner

Warst du schon immer dick?

Eine sehr spannende Frage, weil als Kind hast du ja nicht unbedingt diese Selbstwahrnehmung eines dicken Kindes, oder zumindestens hatte ich das nicht. Mir wurde allerdings schon früh vermittelt „Mit dir stimmt ‘was nicht“. Deshalb würde ich „ja“ sagen, andererseits eigentlich auch wieder nicht. Ich hatte wenn überhaupt, um in Kleidergrößen zu sprechen eine 44 vor 10 Jahren (mit Anfang 20 Anm. der Red.).

Als Kleinkind war ich so propper, dass alle mit mir kuscheln wollten. Ab einem bestimmten Punkt kippt das dann und wird in einem anderen Licht gesehen. Wenn der Babyspeck nicht geht, sondern bleibt und sich dann auch noch vermehrt…

Mit 12 oder so bin ich dann mit meinem Bruder in einen Ernährungskurs der örtlichen Krankenkasse gegangen. Ich erinnere mich noch daran wie wir für ein Stückchen Schokolade fünf Minuten lang Seilspringen mussten, um uns den Kalorienverbrauch zu veranschaulichen. Grundsätzlich wurde ich aber nie zu Diäten gezwungen.

Isst du gerne, magst du „Essen“?

Ich mache Caterings, ich mag es sehr, ich koche gerne, ich interessiere mich für Ernährung und wie Dinge wachsen und verarbeitet werden. Ich kann es häufig allerdings nicht wirklich genießen, weil es mir einfach „versaut“ wurde. Ich habe gelernt, gezügelt zu essen, was im Umkehrschluss heißt, ich habe nie gelernt, zu verstehen, wann mein Körper genug hat.

(c) CurVienna / Fotograf: Robert John Peres

(c) CurVienna / Fotograf: Robert John Peres

Findest du dich schön?

Nicht immer, manchmal finde ich mich scheiße, manchmal finde ich mich extrem fett. Manchmal finde ich mich schlanker als ich bin, manchmal denke ich „was für eine heiße Frau“. Manchmal denke ich, ich kenn’ dich nicht, aber ich wasch’ dich.

Also eigentlich total „normal“ oder?

Ja absolut. Ich glaube, viel wichtiger ist es, mit sich zufrieden zu sein und sich und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Wichtiger als die vielerseits angestrebte Schönheit ist die eigene Wertschätzung. Die nimmt einem niemand.

Würdest du sagen im Großen und Ganzen schätzt du dich?

Nicht immer, aber immer öfter.

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Mehr vom Gespräch mit Veronika über das Bild von dicken Menschen in Österreich und der USA und ob dick gleich ungesund und schlank gleich gesund ist, findet ihr Ende Mai hier.

Veronika möchte übrigens als Covermodel der österreichischen Frauenzeitschrift “Wienerin” ein Statement für mehr Körperakzeptanz setzen, wer sie dabei unterstützen will kann bis zum 17. Mai noch für sie abstimmen:

http://wienerin.at/home/aktion/covermodel/series/poll/vote.do?formAction=2&seriesId=4982155&_vl_backlink=/home/aktion/covermodel/index.do