Anspruch & Realität streiten sich nicht nur in der Plus Size Welt. Allerdings eben auch hier. Dabei stellt sich für manchen die Frage, ob es den Begriff Plus Size überhaupt braucht, weil er etwas Trennendes hat. Schließlich sind Frauen und Männer mit Plus Sizes Teil der Gesellschaft und wollen auch als solcher verstanden werden. Für andere wiederum ist Plus Size der Begriff der Stunde und gerade unglaublich “in”. Doch wo stehen wir eigentlich wirklich? Vor einer tiefgreifenden Veränderung oder einem vergänglichen Trend?

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Plus Size

“Dick sein ist jetzt hip”, diesen Satz musste ich ein zweites Mal lesen. So wenig konnte ich glauben was da stand. Doch was treibt Autoren zu solchen Aussagen? Dick sein ist jetzt in, ja gerade zu ein neuer Trend. Fast schon cool. Echt jetzt? Ist die Lebensrealität von vielen Menschen auf dieser Welt eine Trendfrage? Da muss ich doch laut lachen und dies nicht vor Begeisterung.

Plus Size als puren Trend ab zu tun finde ich persönlich mehr als bedenklich. Von Aussagen wie zu Beginn dieses Abschnittes ganz zu schweigen. Jedoch zeigen mir solche grotesken Aussagen auch eines ganz deutlich: das Thema “Dick sein” auf den modischen “Plus Size”-Begriff ab zu tun ist für mich definitiv nicht genug. Denn Mode ist das eine, politische Realität das andere.

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Zerrissen

So wurde der Begriff Plus Size in der Mode geprägt. Zu deutsch nichts anderes bedeutend als große Größe, auch unschön manchmal als Übergröße bezeichnet. Schon bei der Wortwahl Übergröße zeigt sich meiner Ansicht nach das Problem: es gibt also eine “normale, reguläre” Größe und eine “Übergröße”. Etwas Absonderliches, sich von der Norm trennendes. In sofern hat Plus Size bei allen positiven Aspekten auch etwas unzureichendes. Der Begriff integriert nicht, er trennt ja doch. Stellt in den Vordergrund, wogegen viel von uns eigentlich ankämpfen, nämlich eine gewisse “Abnormität”.

Jedoch ist das nur die eine Seite der Betrachtung. Denn Plus Size steht auch für etwas anderes. Für eine neue Generation von dicken Frauen und Männern, die ihr Recht auf Selbstverwirklichung einfordern. Dabei geht es vor allem um Sichtbarkeit im öffentlichen Raum. Doch auch darum modisch tragen zu können was gefällt. Hier wird Diversität eingefordert. In Magazinen, im TV, in den Medien ganz allgemein, in der Werbung, im Leben. Sichtbarkeit von Plus Size, von dicken Menschen.

Zwischen Diversität und Modelmaßen

Doch,wie oft im Leben, ist auch hier nicht alles eitel Sonnenschein. Denn in öffentlichen Diskursen, auch innerhalb der Plus Size Community, lässt sich ein gewisser Trend ausmachen. Übrigens fest befeuert von Medien und Wirtschaft. Die /der gute Dicke vs. die / der schlechte Dicke. Hierbei erfolgt gerne eine Trennung zwischen diese Kurven sind üppig & schön und “na das ist jetzt aber schon zu viel und ungesund”.

Meines Erachtens bedenklich. Gerade auch im Bereich Bodypositvity.  Gesundheitsfragen hin oder her, das ist hier einmal eben nicht Thema! Denn wenn ich für mehr Akzeptanz von kurvigen, üppigen, runden, dicken Menschen eintrete, dann sollte ich genau diese Unterschiede eigentlich nicht machen. Oder? Wo kommen wir dabei hin, wenn wir uns schon gegenseitig so betrachten?

Ist dabei Ashley Graham soviel “besser” als Tess Holliday? Weil weniger dick und deshalb gefälliger. Schön sind doch beide Frauen, aber ist die eine schon zu viel, krankhaft, während die andere sexy und kurvig ist?

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Zwischen Anspruch und Realität

Hier, auch wenn wir öffentlich wenig darüber sprechen, unterscheiden sich Lebensrealitäten. Denn von außen, mit dem öffentlichen Auge wahrgenommen ist die eine hot und die andere eben “not”. Das zeugt doch eigentlich schon davon, dass es mit der Plus Size Akzeptanz ab einem gewissen Punkt schwierig wird.

Doch bedeutet dich für mehr Sichtbarkeit von Plus Size einzusetzen nicht eben auch, dass Akzeptieren, dass Zeigen von Menschen jenseits dessen was sonst noch, nett gemeint, als kurvig, üppig bezeichnet wird? Sind die Körper, die oftmals verächtlich als fett bezeichnet werden, denn nicht auch Plus Size.

Hier trennt das öffentliche Auge wieder. Dennoch bleibt die Frage: bis wohin soll Plus Size gehen? Dieses Dilemma spiegelt deutlich wieder, wie unzulänglich der Begriff Plus Size manchmal ist. Da politische Momente, wie Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund einer gewissen Größe oder auch Benachteiligungen bei medizinischer Versorgung hier eben nicht miteinbegriffen sind.

Bodypositivity ad absurdum

Auch Bodypositivity wird doch eigentlich nur zum Lippenbekenntnis, wenn wir nicht alle Körper und Körpergrößen miteinbeziehen. Trennen wir Plus Sizes, dicke Menschen jedoch in zwei Kategorien “good fatty” vs. “bad fatty”, bezeichnen das eine als der Akzeptanz würdig und das andere als krank, führen wir Körperakzeptanz doch ad absurdum.

Wo beginnt das Dick sein? In Kaufhäusern, wo deine Kleidergröße nicht verfügbar ist, ab einem bestimmten BMI, oder wenn du in einem normierten Sessel stecken bleibst? Vielen Fragen, wenig Antworten. Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto mehr Fragen kommen auf.

Was ist also das Resümee? Plus Size ist ein Begriff in den wir viel hineinpacken. Der aber in der Realität all dieser Fülle, dieser Diversität, dem Anspruch, nicht gewachsen ist. Dennoch ist er ein Begriff, ohne den es wichtige Initiativen nicht gäbe. Am Ende kommt es darauf an, was wir daraus machen. Das wird bestimmen, wie vergänglich der Begriff ist, oder ob er gekommen ist um zu bleiben…

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