Weiblichkeit hat viele (Körper-)Formen. Dabei ist sinnlich, sexy und kurvig nicht die einzige Möglichkeit. Wenn auch die im Allgemeinen wohl dominanteste. Das ist aber nicht nur einseitig, sondern auch vorurteilsbeladen. Gleiches gilt übrigens für Plus Size Frauen, dicke Frauen. Denn schon kurvig legt ja eigentlich ein eindimensionales Bild nahe.

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Weiblichkeit hat viele (Körper-)Formen

Wobei ich das Wort ja selbst verwende. Ganz offensichtlich schon im Namen dieses Blogs. Dabei verblüfft es mich selbst immer wieder, wie oft ich eigentlich vom weiblichen Körper auch in diesen Dimensionen denke. Rund, üppig, kurvig weiblich. Doch was, wenn es ganz anders ist. Wenn die Haare kurz, die Schultern breit, die Taille nicht ausgeprägt ist?

Sind Frauen dann weniger weiblich? Dieses über so viele Jahrzehnte, gar Jahrhunderte geprägte Bild gilt als schön und begehrenswert. Ja, als erstrebenswert.

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Weil Plus Size kurvig und sinnlich sein darf…

Auch in der Welt der Plus Sizes. Denn eine üppige Oberweite, eine schmalere Taille und breitere Hüften sind auch bei “uns” das Ideal. Eigentlich grotesk, ein Ideal zu suchen, wo wir doch oft genug gesagt bekommen, dass wir dem gesellschaftlichen Ideal nicht entsprechen.

Dabei zementieren wir ein ganz spezielles Bild von Frauen ein. Wo wir doch für mehr Körperliebe und Verständnis plädieren. Ein bisschen scheinheilig würde ich sagen. Denn seit wann hat jede Plus Size Frau gleich einen Körbchengröße J, eine üppige Oberweite? Um nur ein Beispiel zu nennen. Nicht, dass hier das Gefühlt aufkommt, eine Sanduhr-Figur ist etwas schlechtes, nein gar nicht, es gibt nur so viele Körperformen mehr.

Außerdem, können wir wirklich die Sicht auf dicke Körper ändern, wenn wir selbst einem Ideal, aber eben ein paar Kleidergrößen & einige Kilos mehr, nachstreben?

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..aber selbstbewusst nicht

Zugegeben, auch ich konnte im ersten Moment in den Bildern des Fotoshootings nicht sofort Bobby wieder erkennen. Dabei war es meine Idee mich als Version von Marlene Dietrich zu inszenieren. Das bedeutet eben auch, sich auf etwas ganz anderes einzulassen. Kein Kleid, dass die Taille betont, kein Outfit das im ersten Augenblick vorteilhaft wirkt.

Die Haare streng nach hinten gegelt, dezenteres Make-up, von falschen Wimpern einmal abgesehen. Die Hose, die den Bauch nicht versteckt. Eine Bluse, die hochgeschlossen ist. Untypisch für mich.

Dennoch, eine spannende Erfahrung. Denn ich habe mich sehr stark gefühlt. Dominant, den Blick in die Kamera nicht gemieden. Ein gewisses Spiel mit den Geschlechtern war es ja in jedem Fall. Zumindest auf den ersten Blick, denn, ganz ehrlich, auch in Hose und Bluse fühle ich mich nicht weniger als Frau.

Wer man ist

Auch wenn ich etwas gebraucht habe mich an mein anderes Äußeres zu gewöhnen. Wenn ich mir die Bilder ansehe, dann bin ich stolz. Denn ich fange nach und nach immer mehr zu verstehen an, dass ich mehr bin als das Bild, das ich ursprünglich von mir hatte. Ob Kleid, ob Rock ob Hose, ob sexy oder streng..wer sagt, dass Frau nur eine Seite haben muss?

Eben, deshalb umarme ich die strenge Bobby mit dem deutlich sichtbaren Bauch ebenso wie die verspielte Bobby im Cupcake-Kleid, oder die Bobby, die ihre Cocktailkleider und ihre 40 Lippenstifte liebt.

Weiblichkeit ist ein großes Wort. Ob Mutter, Single, verheiratete Frau, ob Frau die Frauen liebt, ob Frau die Frauen und Männer liebt, oder Frau, die im falschen Körper geboren wurde und erst durch einen langen und schwierigen Prozess ihr Geschlecht erlangen konnte, dünne Frau oder dicke Frau – Weiblichkeit hat viele Formen.

 

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Outfit von Frl Else Vintage

Fotografin Olga Kretsch Photography

Make-up & Haare: Ina Holub