Zwischen Diätenwahn & Selbstliebe bewegt sich Ingrid Diems neuer Song – BMI. Eine Abrechnung der Sängerin mit Körperkritik. Doch wer ist Ingrid Diem eigentlich? Wie kam es zum Entstehen des Liedes über den Body Mass Index (BMI)? Diese Fragen und Vieles mehr beantwortet Ingrid im folgenden Interview. Natürlich haben wir die Künstlerin auch nach ihren Zukunftsplänen gefragt. Viel Spaß beim Lesen.

Diätenwahn&Selbstliebe_IngridDiem

(c) Pixelpartners

Diätenwahn

Dein Song BMI ist eine humorvolle Abrechnung mit Diätenwahn und dem Quälen für einen perfekten Körper. Was macht denn für dich einen perfekten Körper aus?

Wenn das Herz drinnen wirklich glücklich ist, dann wirkt jeder Körper gleich ganz anders und wie „in Liebe geformt“ – egal ob das jetzt stark definierte Muskeln sind oder weiche Kurven. In der Sekunde, in der ich die Ausstrahlung eines Menschen in meine Beoachtung des Körpers mit einfließen lasse, relativiert sich vieles, in jede Richtung.

Nichts ist so schön, wie ein ehrlich glücklicher Mensch mit funkelnden Augen.

Umgekehrt kommen manchmal Menschen in einen Raum hinein mit einem Körper, den der Großteil der Gesellschaft wohl als perfekt bezeichnen würde. Aber in der Sekunde, wo diese Person was sehr unsympathisches spricht, kann die Magie der Schönheit sofort weg sein.

Für mich kann es daher keine eindeutige Antwort geben.

Wann hast du das erste Mal bemerkt, dass du dicker bist als? War das schon als Kind so?

Vor meiner 1. Diät mit 22. Da hatte ich medizinisch gesehen absolutes Normalgewicht und trug Größe 38. Aber ich wollte weniger Hintern haben.

Als Kind war ich immer dünn. Ab 11 bekam ich quasi über Nacht eine Brust und hab gleich mal mit Cup B gestartet, was mich „dick“ fühlen liess im Vergleich zu einen Freundinnen.

Tatsächlich aber war ich damals definitiv schlank.

Fühlst du dich durch dein Dick sein eingeschränkt? Tust du etwas nicht, traust dich nicht?

Ich war noch nie auf einem FKK Strand, weil ich mich das nie getraut habe. Aber das steht auf meiner Zielliste für heuer.

Ich würde nicht bauchfrei gekleidet sein wollen, abgesehen vom Strand und vom Fitness Studio.

Ich fühle mich in meiner Bewegungsfreiheit durch meinen Bauch immer wieder mal eingeschränkt. Meine Tochter kuschelt gerne mit ihm, aber ich würde ihn nicht vermissen, weil es sich bauchfrei einfacher lebt, finde ich.

Was hast du alles ausprobiert um abzunehmen?

Von verrückten Sachen wir Einlegsohlen für Akkupressurpunkten über diverse Shake-statt-Mahlzeit Programme, Ketogene Ernährung, Kohlsuppe, 10in2, Dinner Canceling, Sport…

Ich glaub, so ziemlich alles, was man so aus den Medien kennt.

Keine Diäten mehr

Wann und warum hast du beschlossen, Schluss mit Diäten und Selbstkritik zu machen?

In dem Moment, in dem mein Ziel plötzlich weg war.

Mein Ziel war immer ein idealer BMI, weil ich dachte, dass ab der Sekunde dann alles gut ist und ich strotze vor Glück und Sorglosigkeit und mich mega schön finde.

Dann hab ich 4 Frauen mit sehr sehr idealem BMI beim Cafe tratsch zugehört und war so entsetzt, was sie alles an sich auszusetzen hatten, dass ich mit einem Mal vollkommen entspannt wurde. Wenn so ein Körper noch immer nicht reicht, dachte ich mir, wo will ich dann hin? Warum nutze ich die Zeit, die ich aktuell für Diäten und Vergleiche verschwende, nicht für meine Persönlichkeitsentwicklung oder einfach für Dinge und Aktivitäten die mich total glücklich machen und die Spaß machen?

Und lustiger weise – seitdem ich meinen Körper mag und ihm keinen Druck mehr mache,  ernähre ich mich instinktiv besser und hab Lust auf Bewegung bekommen.

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(c) Sascha van der Werft

Wenn du vor dem Spiegel stehst, was siehst du da?

163 cm voller Erlebnisse – jede große Erfahrung in meinem Leben hat ihre Spuren hinterlassen und mich so geformt wie ich jetzt bin. Und das ist gut so.

Wurdest du öffentlich ob deines Körpers schon einmal beleidigt?

Ja, immer wieder mal.  In Zeiten von Social Media und der Möglichkeit, alles zu kommentieren ist das halt Teil unserer Zeit geworden.

Und als Sängerin wird man auch optisch bewertet, ob man will oder nicht. Da kann es schon vorkommen, dass man eine sehr intime, berührende Ballade singt und aus der 1. Reihe im Publikum laut hört „na bumm die hat zugenommen!“.

Selbstliebe

Was ist Selbstliebe für dich?

Dass ich zu mir selbst „Ich liebe dich“ sagen kann. Ich erstappe mich manchmal dabei, dassich für Freunde was kaufen will (ich mache sehr gerne Geschenke) und schenke mir dann bewusst auch mal selbst was. Egal ob das schöne Blumen sind oder eine Karte, das können Kleinigkeiten sein. Aber ich versuche bewusst, mich nicht weniger liebevoll zu behandeln als meine „loved ones“.

Und da gehört der Körper genauso dazu wie meine Persönlichkeit.

Früher hab ich mich zu oft entschuldigt und geringer gesehen als Mitmenschen. Jetzt weiß ich, dass ich mich selbst an 1. Stelle haben muss und das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern ist gesunde gelebte Selbstliebe. Wenn ich selbst glücklich und versorgt bin, kann ich auch andere liebevoller behandeln.

Hast du einen Tipp für Frauen, die sich in ihrem Körper nicht wohl fühlen, wie sie Frieden mit ihrem Körper machen können?

Mir hat da meine Tochter mit ihrer Einstellung zu sich und zu mir total geholfen.

Sie liebt sich so und liebt mich so und findet mich so wunderschön. Wenn man sich selbst durch die Augen von den Menschen sieht, die einen lieben, dann sieht man sofort wen ganz anderen. Wir sind oft so konzentriert auf optische Mäkel wie „schiefe Nase“ und unser Partner sieht unser gesamtes Gesicht und liebt es.

Nicht in Einzelteile zerlegen, sondern Gesamtheit sehen – das inkludiert auch deine Ausstrahlung, dein Lachen, wie du gehst,  wie du andere umarmst und zum Lachen bringen kannst, was du alles weißt und tun kannst…… – nach so einer Bewertung sieht die Welt schon ganz anders aus.

Rein zum Körper hat mir geholfen, dass ich mich gezwungen hab,  mich mal überall zu berühren und mit dem Wasserstrahl der Dusche meine Organe abzufahren und mal zu wissen, was wo ist und dafür dankbar zu sein. Mal bewusst hinzuschaun und nicht abzulehnen. Und dankbar zu sein. Und aufhören mit den doofen Vergleichen. Das machen nämlich Menschen ALLER Gewichtsklassen und wenn wir uns mal gegenseitig Komplimente machen würden, statt uns immer konkurrierend zu messen, würden wir viel dankbarer sein.

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(c)  Michael Mrkvicka

 

Ingrid Diem

Wann wusstest du, dass du Sängerin werden willst?

Im Alter von 8 vor dem Spiegel mit Rundbürste als Mikrofon in der Hand.

Ich hab alle Spiele auf Bühne angelegt – Zirkus, Sängerin, Shows,….ich wollte immer vor Menschen singen und sprechen dürfen.

Was bedeutet Musik für dich?

Befreiung. Alle Emotionen ehrlich aus meinem System zum Klingen bringen zu dürfen. Mich kreativ mit anderen verbinden zu dürfen. Mich und das was ich sagen will, ausdrücken zu dürfen.

Ich liebe es!

2019 startest du mit einem Kabarettprogramm – BMI –, was erwartet ZuseherInnen dabei?

Ernährungsformen, Diäten, Körperkulte, Schönheitsideale, Verdauungssysteme, wie komme ich in meine frisch gewaschene Jeans mit spezieller Hüftechnik ohne Beisein eines Chiropraktikers,……ich plaudere lustig drauf los, teils unterlegt mit eigenen Songs und spreche alle Körpertypen an, denn ernähren tun wir uns ja alle, soweit ich das mitbekommen habe J Manche halt nur jeden 2. Tag…… oder von Licht…… oder essen, so wie ich „Kreativnachspeisen“ wie 1cm blendi Erdbeer Zahnpasta, aber auch das wird Thema sein!

 

Hier könnt ihr mehr über Ingrids neuen Song “BMI” erfahren: https://curvect.com/bmi-bodymassindex-by-ingrid-diem/