Schon gehört? Chanel hat bei der Fashion Week in Paris ein Plus Size Model am Laufsteg gezeigt. Fendi verkauft jetzt ready to wear Kleidung bis zur Größe 52. Ist das nicht fantastisch? Ist das nicht ganz unglaublich? Ein Schritt in die richtige Richtung, wie inklusiv. Nein, ist es nicht. Es ist nicht so fantastisch und ich erkläre euch auch gerne, warum ich so denke und weshalb wir dicken Menschen dadurch sogar marginalisiert werden.

Plus Size & Haute Couture

Dabei sehen wir ja nicht erst seit der Pariser Fashion Week, dass Plus Size und Haute Couture bzw. High End (Luxus) Designs zusammen passen. So erfreut sich der Online Shop 11 Honoré großer Beliebtheit. Dort zu sehen, Designerkleidung von u. a. Carolina Herrera, Diane von Fürstenberg oder auch Jason Wu.

Jason Wu hat in einem Interview einmal erwähnt, dass er bei Plus Size Designs auch auf entsprechende Schnittführung, Schnitte und Materialien achtet. Etwas besonders Wichtiges. Denn ein Kleidungsstück in Größe 36 kann nicht einfach so in einer Kleidergröße 52 produziert werden. Das erfordert etwa ab der Kleidergröße 46 eine Anpassung des Schnittes. Wenige (Luxus) Designer kennen sich damit im Plus Size Bereich aus. Zumindest bis jetzt.

Als das damalige Plus Size Model Sophie Dahl im Jahr 2000 für das Label Yves Saint Laurent modelte war der Aufschrei in der Modewelt groß. Heute sind Models wie Ashley Graham durchaus öfter auf den Laufstegen der Welt zu sehen. Jedoch bleiben diese eine Ausnahme. Bei weitem nicht jedes Luxus Label setzt auf Plus Size und selbst bei Labels, die Plus Size Models über den Catwalk schicken, wirkt das oftmals einfach als plakativer Versuch Aufmerksamkeit zu erregen.

Denn in Online Shops finden sich keine Plus Size Frauen, auf Social Media Kanälen keine Models jenseits der Kleidergröße 36. Es wird nicht mit Kundinnen geworben, die größere Größen haben. Es wird überhaupt kaum darüber gesprochen. Es sei denn es ist Fashion Week und ein Model in einer Kleidergröße 38 / 40 zeigt, dass es die Mode des Designerlabels auch jenseits der Size 0 zu kaufen gibt.

Fendi ready to wear bis Kleidergröße 52

Also Bobby, wo soll da jetzt das Problem sein? Bis zur Kleidergröße 52, das ist doch hervorragend. Zugegeben, es ist super, dass es ein Kleidungsstück von Größe 34 bis zur Größe 52 zu kaufen gibt. Besonders im High End Designerbereich. Dies ist also durchaus etwas Neues. Ebenso ein guter Schritt, ein Anfang, der zeigt, dass es möglich und machbar ist.

Dabei bleibe ich aber skeptisch bis ich weiß, ob die Schnitte und Längen auch bei den entsprechenden Größen angepasst werden. Bei 1.000 Euro für einen Rock würde ich das nämlich sehr hoffen. Wie ermittelt Fendi also Größen. Wie groß, in cm, ist eine Größe 52 bie Fendi? Darüber hinaus, wieso sehe ich im Online Shop nirgends ein Model in einer größen Größe, das mir zeigt, wie die Schnitte an größeren Körpern ausschauen?

Jetzt könnt ihr zurecht sagen: “Bobby, das ist Jammern auf hohem Niveau.” Mag sein, doch ganz ehrlich, ich erwarte einfach mehr von einem Label, das im High End Bereich verkauft. Das kann man auch erwarten. Dazu kommt, dass ich hoffe, dass dies keine einmalige Sache bleibt, sondern von jetzt an einfach so weitergeführt wird.

Chanel & Plus Size

Jill Megan Kortleve heißt das Plus Sie Model aus Holland, das für Chanel bei der letzten Couture Show zu sehen war. “Das erste Plus Size Model in 10 Jahren bei Chanel” titelten Zeitungen und Zeitschriften weltweit. Die Aufregung darum war groß. Auch ich war im ersten Moment sehr angetan. Wow, ein Plus Size Model. Da hatte ich das Model allerdings noch nicht gesehen ;).

Jill Kortleve ist eine attraktive Frau, das stelle ich hier nicht in Frage. Doch was Chanel unter Plus Size versteht, das hinterfrage ich ganz eindeutig. Dabei gilt das ehrlicher Weise nicht nur für Chanel. Sondern auch für andere Luxus Designlabels, die als Plus Size bereits die Kleidergröße 38 bezeichnen. Für mich sollte ja diese Tatsache für den viel größeren Aufschrei sorgen. Denn wer eine Kleidergröße 38 als Plus Size bezeichnet, fördert ein Körperbild das weder gesund noch erstrebenswert ist.

Wenn eine Kleidergröße 38 dick ist

So habe ich vor Kurzem zwei Jugendliche in der U-Bahn über diese fette Sängerin reden hören.  Dabei war die Rede von Annett Louisan. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass ich, gelinde gesagt, überrascht war. Entsetzt und kurz sprachlos trifft es wohl eher. Wie bitte? Was bitte? Wo bitte?

Doch solche verzerrten Körperwahrnehmungen erstaunen mich leider gar nicht mehr. Denn wenn Labels wie Chanel eine Kleidergröße 38 schon als Plus Size bezeichnen und dies ja auch in Hochglanz Magazinen so dargestellt wird, oder auch wenn öffentlich darüber diskutiert wird, dass Selena Gomez nach ihrer Nierentransplantation ach so stark zugenommen hat, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Das Selena aufgrund der einzunehmenden Medikamente ein für kurze Zeit etwas aufgedunseneres Gesicht hatte, ist kein Indiz für dick sein.

Wenn Plus Sizes marginalisiert werden

So bin und bleibe ich zwiegespalten. Natürlich ist es toll, wenn ein Luxus Designlabel  wie Chanel Plus Size Mode zeigt. Allerdings ist es das auch wieder nicht. Weil wer eine Kleidergröße 38 als Plus Size definiert, ist mit Schuld an Körpernormen die zu sehr selbstzerstörerischem Verhalten führen. Der Begriff Plus Size wird dadurch ad absurdum geführt.

Denn Plus Size, das ist doch eigentlich ein Begriff, der Kleidergrößen 44+ bezeichnet. Für mich persönlich ist ja nichts unter 48 Plus Size, doch das ist eben meine subjektive Sicht. Dennoch, der Begriff soll eine (große) Gruppe von Menschen in den Mittelpunkt stellen, die sonst von der Industrie, der Öffentlichkeit, der Wirtschaft, übersehen werden. Obwohl wir ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind, werden wir nicht als dieser wahrgenommen.

Zu groß ist die Angst vor einem schlechten Image, wenn Plus Sizes inkludiert werden (Veronika Merklein hat hier einen spannenden Artikel über das Thema geschrieben).

Vielmehr aber werden wir Plus Sizes dadurch wieder marginalisiert, klein gehalten und noch mehr stigmatisiert. Denn wenn eine 38 schon abseits der Norm ist, wie wird dann eine Frau mit Kleidergröße 52 gesehen?

Bevor Chanel hier also ein Körperbild vorleben, das schädlich und vorurteilsbeladen ist, wäre es mir lieber, das Label würde das Thema Plus Size erst gar nicht aufgreifen. Jedoch wäre es mir noch lieber, sie würden sich mit Körperformen und Menschen auseinander setzen und nicht weiterhin ihre einseitige und zerstörerische Körpernorm in die Welt tragen.