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Gewichtsdiskriminierung ist kein Kavaliersdelikt

Diskriminierung ist kein Kavaliersdelikt

 

Diskriminierung ist kein Kavliersdelikt. Sie ist schmerzhaft, unfair und unangebracht. Leider ist sie im Falle von Gewichtsdiskriminierung nicht ungesetzlich. Darüber hinaus ist sie eines: allgegenwärtig. So war es mir vollkommen bewusst, als ich mich für Publikumstickets für eine ORF Live-Sendung angemeldet habe, dass einseitige Berichterstattung und ein gewisses mindset vorherrschen würden. Was kann ich erwarten bei einem Titel wie „Risikio Übergewicht“? Doch davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen.

 

In einem Video auf Instagram habe ich über meine Eindrücke der Sendung gesprochen, dies ist der begleitende Text dazu. Im Video selbst gehe ich auf alles genauer ein, einfach auf den Link oder das Bild klicken :).

 

https://www.instagram.com/p/CjHu1qvqv4Z/

Gewichtsdiskriminierung ist kein Kavaliersdelikt

Diskriminierung is every day business

 

Erstens, in diesem Beitrag gibt es keine schönen Umschreibungen, keine Sternchen die ausblenden, was andere über uns sagen oder denken – denn es gibt in Österreich (nicht nur hier, aber es geht in diesem Beitrag um Österreich) ein massives Problem was Gewichtsdiskriminierung betrifft.

Am Mittwoch war ich bei einer Live Sendung des ORF zum Thema „Risiko Übergewicht“. Im Publikum. Warum? Die Besetzung des Podiums ließ den Schluss zu, dass hier nur eine Meinung vorherrschen würde. Ich hatte die Hoffnung, dass das Publikum zu Wort kommen würde. Es blieb ein Wunsch. Diskriminierung, sprachlich, in Bildern. Das Verbreiten von Vorurteilen und Stigma. Damit ist die Sendung gut zusammen gefasst. Als mehrgewichtiger Mensch im Publikum zu sitzen war, aus meiner Perspektive, eine einzige Qual.

 

Unter den Diskutant:innen war nicht eine Person mit gewichtsneutralem Ansatz zu finden. Da dieser Ansatz in Österreich bis jetzt nur wenig öffentlich diskutiert und hierzulande auch noch sehr kritisch betrachtet wird, war dies auch nicht zu erwarten. Doch es fanden sich einfach keinerlei dem gängigen Denken gegenüber kritische Stimmen in der gesamten Diskussion und Berichterstattung. Ganz im Gegenteil, wurden diese kritischen Stimmen sogar als „nur politische korrekt“ und eher realitätsverleugnend abgetan.

 

Angstmacherei als vermeintlicher Veränderungsantrieb

 

Nehmen wir diese Adipositas Pandemie nicht ernst, werden wir massive Probleme bekommen. Denn übergewichtige Menschen können an dieser, jener und darüber hinaus auch noch dieser Krankheit leiden. Alarm! Ihr hattet noch nicht genug Probleme bei der Alltagsbewältigung, die Menschen machen euch das Leben mit Mehrgewicht noch nicht schwer genug? Wunderbar, dann hätten wir hier noch eine Portion Beschämung und einen riesigen Rucksack an Angst für euch. Denn Angst ist ja schließlich ein guter Motivator.

 

Wie bitte? Ihr meint, dass Ärzt:innen ohne diskriminierendes Verhalten es euch leichter machen würden schon früher zu Untersuchungen zu gehen und euch so z.B. helfen würden auch gesünder durchs Leben zu kommen? Ja, diese Inputs gab es bei besagter ORF Sendung eindeutig nicht. Denn das war auch nicht das Ziel.

 

Was mich an dieser Stelle so unheimlich verärgert sind mehrere Dinge. Denn es ging einerseits gar nicht um eine systemische Debatte. Die Frage was schief läuft, wo dicke Menschen diskriminiert werden und warum und vor allem auch, welche Folgen das eben hat. So gehen mehrgewichtige Menschen aus Angst vor Vorurteilen und schlechter Behandlung oft erst zu Ärzt:innen wenn sie bereits gesundheitliche Probleme haben.

 

Diese Angst kommt übrigens nicht von ungefähr. So zeigt z.B. eine 2018 Auftrage gegebene Studie vom Wiener Programm für Frauengesundheit eindeutig, wie als „adipös“ gesehene Frauen im medizinischen Bereich diskriminiert werden. Diskriminierung geht aber weit über den Gesundheitssektor hinaus. Ob im Beruf, bei der Familienplanung, auf Reisen, im Modebereich etc. – leider ist sie für uns mehrgewichtige Menschen alltäglich und einfach in jedem Lebensbereich anzutreffen.

 

Wo bleibt die differenzierte Berichterstattung?

 

Doch diese Sendung bot keinerlei Plattform für differenzierte Betrachtungsweisen. Ja, es gab einige wichtige Inputs (sehr wenige) und ja, in kurzer Zeit alles Wichtige unterzubringen ist unmöglich. Das Ziel war klar: das Beenden der Adipositas Pandemie. Dinge wie sozio-ökonomische Faktoren, der Zugang zu Essen, Benachteiligung im Job, geringere Aufstiegschancen, niedrigere Gehälter etc. bei mehrgewichtigen Menschen spielten hier keinerlei Rolle. Das Ess- und Bewegungsverhalten stand im Zentrum der Diskussion.

 

Das Stimmen wie meine mit „ihr wollt euch nicht verändern“, „ihr seht euer Problem nicht“, abgetan werden hilft dabei nicht. So drängt man kritische stimme einfach in ein Eck. Als wäre uns unsere Gesundheit nicht wichtig, oder als wollten wir kein gutes Leben führen. Ich bin es so leid unter dem Deckmantel der Gesundheit ständig attackiert und diskriminiert zu werden und das alles auch noch legitimiert. Weil Gewichtsdiskriminierung in Österreich einfach kein politisches Thema ist.

 

Diskriminierung ist kein Kavaliersdelikt

 

Diskriminierung ist kein Kavaliersdelikt. Gewichtsdiskriminierung ist aber gesellschaftlich und politisch legitimiert. So lange wir nicht über weitaus mehr als über Kalorienzufuhr sprechen, gehen wir aber am Wesentlichen vorbei. Es gäbe hier sehr viel zu diskutieren und ich kenne einige Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen, die sehr viel Wertvolles zu einer wirklichen Diskussion rund um Mehrgewichtigkeit und Diskriminierung beitragen können. Man muss uns nur zuhören und erkennen, dass Gewichtsdiskriminierung uns als Gesellschaft schadet.

 

Im Video habe ich meine Eindrücke etwas eindringlicher geschildert. Gleich am Tag nach der ORF-Sendung aufgenommen waren diese noch entsprechend frisch.

https://www.instagram.com/p/CjHu1qvqv4Z/

 

 

 

Kommentare

  • martina
    2. Oktober 2022

    danke, dass du das mal so deutlich gesagt hast! ich suche schon seit jahren nach den richtigen ärzten und betreuung. schlimm, dass gerade, die, die sich um dich kümmern sollten, dich am meisten missbehandeln. aber es gibt auch andere ärzte gsd. interssant finde ich auch, dass in den medien andere essstörungen als wesentlich komplexer dargestellt werden, als unfähigkeit, die kalorienzufuhr und den abbau nicht unter kontrolle zu haben. es bleibt, zu hoffen, dass eine epidemie die gesellschaft zum umdenken, oder vllt sogar zum hineindenken anregt..aber leute lasst eich nix gefallen -vorallem von ärzten nicht

  • martina
    2. Oktober 2022

    und am ärgerlichsten ist eigentlich, dass eine ganzer wirtschaftszweig, damit verdient, dir zu sagen, wie du dich zu ernähren und zu bewegen hast, als ob wir das nicht wüssten. dadurch wird dieses gefühl loser zu sein, nur noch erhöht und gibt der gesellschaft wieder die möglich, dich darauf zu reduzieren.

  • 484
    25. November 2022

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