Die Cosmeterie ist Österreichs erstes Shop in Shop System für konzernunabhängige Beautymarken. Was jetzt etwas kompliziert klingt ist ein durchdachtes und erfolgreiches Businesskonzept, das vor allem eines unterstützen will: Individualität.

Sophie Ryba ist Gründerin der Beauty-Plattform “Cosmeterie”, Beauty-Bloggerin der ersten Stunde und Mitbegründerin des Fashion Camp Vienna. Ich habe mich mit der studierten Betriebswirtin getroffen um mir ihr über ihr Unternehmen und über das Thema Schönheit zu sprechen.

(c) Sophie Ryba

Sophie Ryba – (c) Sophie Ryba

Was ist für dich an Make-up so spannend? Warum hast du dich genau für diesen Gechäftszweig entschieden?

Weil ich ein sehr marketinglastiger Mensch bin und es gibt eigentlich keine Branche in der es mehr um Marketing geht als im Beauty Bereich.Ich habe immer schon eine sehr große Leidenschaft für Make-up gehabt.

Was mich immer so fasziniert hat war, was man mit Make-up alles machen kann. Was für einen total anderen Typ du mit Make-up aus einem Gesicht machen kannst. Warum ich mich beruflich für diese Branche entschieden habe ist das Marketing. Es gibt wirklich pro Woche drei Pressekonferenzen wegen einem roten Lippenstift und sie schaffen es einfach noch nach Jahren, dass ich aus diesen Konferenzen rausgehe und mir denke „ich brauch den jetzt“ (lacht).

Es war schon während meines Studiums (BWL Anm. der Red.) ziemlich klar – mich hat Beauty einfach immer interessiert. Meine ideale Kombination: Marketing und Beauty.

Wo hast du nach deinem Studium beruflich im Beauty-Bereich Erfahrungen sammeln können?

Nach meinem Studium war ich Marketing Manager bei Estée Lauder. Im Speziellen bei Bobbi Brown und La Mer. Ich muss sagen es war ein netter Einstieg, aber mir war relativ schnell bewusst, dass ich nicht in einem Konzern „hängen“ bleibe. Es ist zwar ein großer Konzern und ein bekannter und toller Name aber du hast nur eine Abteilung in der du arbeitest, einen begrenzten Bereich. Ich habe sehr gerne gearbeitet, aber ich habe eben „nur“ Marketing gemacht. D. h. Arbeitsabläufe z. B. zu optimieren war mir nicht möglich, das fiel einfach nicht in den Bereich Marketing und war somit für mich nicht änderbar.

“Ich habe Sachen immer schon lieber umgesetzt als nur verkauft.”

Kannst du dein Unternehmen „die Cosmeterie“ kurz beschreiben?

Wir sind ein Amazon für Beauty und Lifestyle mit Marken aus dem unabhängigen Bereich. Wir sind spezialisiert darauf unabhängige Labels, d. h. Nicht-Konzern-Marken auf einer Plattform zu bündeln und das im Beauty- und Lifestyle-Bereich. Das gab es in der Form vorher noch nicht, weil alle Shop in Shop-Systeme bis dato eigentlich nur den Shop angeboten haben, aber keinen Zielgruppen spezifischen Shop, keine spezifische Plattform in dem Sinn geboten haben.

Und ja… ich versuche mich kurz zu halten, ich rede einfach immer gern zu viel (lacht).

Das ist gar kein Problem – was genau ist eigentlich ein Shop in Shop-System?

Das heißt, dass die Marken sozusagen ihren eigenen Shop bei uns eröffnen, aber wir kaufen die Ware nicht ein. Alles bleibt beim Shop selber, wir sind ein zusätzlicher Verkaufskanal für die jeweilige Marke oder den Shop / die Ware und die versenden selber und bestimmen selber die Preise. Besonders dies ist allen sehr sehr wichtig, weil im Beauty-Bereich sehr viel Dumping gemacht wird. Wir sind sicher keine Plattform die sich dadurch definiert, sondern durch ein einzigartiges Angebot und das können wir auch nur deswegen bieten weil wir alles der Marke selbst so überlassen.

(c) Cosmeterie / Sophie Ryba

(c) Cosmeterie / Sophie Ryba

Ihr verkauft aber auch selber über eure Plattform oder?

Wir haben zwei eigene Produkte. Wir helfen gerne, wenn es nicht funktioniert. Wir haben einfach sehr viele unterschiedliche Marken dabei, auch riesige Marken die global in mehr als 40 Ländern vertreten sind. Dann haben wir aber auch sehr kleine Marken dabei, mit weniger Produktion. Manche wissen besser Bescheid wie es läuft als andere, wir versuchen dort zu unterstützen wo wir gebraucht werden.

Wie wählst du die Marken aus? Wirst du angesprochen?

Mittlerweile kommen sehr viel zu uns, aber wir suchen aktiv gerade einen Co-Managing Partner, jemand der die ganze Shop-Akquise übernimmt, weil das einfach sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und sehr viel Nachbetreuung benötigt.

Hast du ein gewisses Auswahlkriterium was die teilnehmenden Marken betrifft? Wie etwa Nachhaltigkeit oder Exklusivität?

Wir schauen uns jede Marke individuell an, denn so individuell die Marken sind so individuell ist auch das Auswahlkriterium. Es gibt kein Schema F. Es gibt ein Ausschlusskriterium und das ist, dass es keine Konzernmarken sein dürfen. Daran wird auch wirklich nicht gerüttelt. Alles andere schauen wir uns individuell an, überlegen wie passt die Marke zu uns, was ist der USP der Marke, wie ist die Marke aufgebaut.. Das kommt immer darauf an, wie sich die Marke darstellt, das kann man nicht auf ein Kriterium herunter brechen.

Wir leben Individualität eben auch in unserer Akquise.

Ihr habt also Logo einen türkisfarbenen Flamingo, warum?

Ja, weil der auch individuell und anders ist (lacht). Wir haben den Flamingo gewählt weil er ein sehr schönes Tier ist, er ist sehr filigran und stolz aber auch sehr treu. Den türkisen Flamingo wirklich deswegen weil wir uns gedacht haben, dass er anders ist. Wir wussten wir wollen nur individuelle und unabhängige Marken auf unserer Plattform zusammen führen. So individuell ist auch unser Flamingo – er steht in einem See mit lauter pinken Flamingos und fühlt sich erst ein bisschen allein gelassen und dann kommt er drauf, dass er einfach schöner ist und anders – nicht schlechter oder besser sondern einfach anders.

Hast du dir vielleicht auch schon einmal überlegt selbst eine Make-up Linie herauszubringen? Hätte dich sowas jemals gereizt?

Hm (überlegt)..ehrlich gesagt ja natürlich, ich glaub in meinem Bereich hat jeder diesen Traum, wie vielleicht Männer eine Bar aufmachen wollen, wollen Mädels eine eigene Make-up Linie. Ich glaube dadurch, dass wir die Cosmeterie machen sehen wir den Markt ein bisschen besser als der durchschnittliche Verbraucher. Das spannende ist ja, dass vom Umsatzvolumen die kleinen Marken zusammen viel mehr Marktanteil haben als die Konzernmarken. Im Marketing und der Werbewahrnehmung haben allerdings die großen 90 % mehr Wahrnehmung und machen auch mehr. Was ich dann immer wieder höre ist: „Ich starte jetzt ein neues Label und das gibt es noch gar nicht..“ – das stimmt einfach nicht. Es gibt etwa 2000 Labels die sicherlich auch schon etwas in der Richtung machen. Vielleicht wenn ich in Pension bin, aber ich überlasse die ganzen Herstellungssachen und den Markenaufbau lieber Leuten die das besser können und konzentriere mich auf die Plattform.

(c) Cosmeterie / Sophie Ryba

(c) Cosmeterie / Sophie Ryba

Neben ihrem Fulltime Job ist Sophie Ryba auch noch im Blogger-Bereich umtriebig. In die 80 Stunden-Woche der erfolgreichen Geschäftsfrau packt sie noch mehr: das Fashion Camp Vienna zum Beispiel.

Das Fashion Camp, vor einigen Jahren ins Leben gerufen, ist mittlerweile sehr erfolgreich. Wie war es ganz zu Beginn, das in Österreich zu etablieren?

Ehrlich gesagt, wir haben das Fashion Camp im Laufe der Jahre sehr verändert. Wir haben das am Anfang sehr offen gestaltet eben von Bloggern für Blogger, um dieser ganzen „Bloggerspähre“ mehr Halt zu geben und mehr Professionalität zu fördern. Das war einfach ein riesiges Thema.

Ich war einer der ersten Beauty-Blogs, eines der ersten Beauty online Magazine, da gab es sonst noch nicht viel in dem Bereich. Dann kamen immer mehr Beauty-Blogs daher um einfach gratis Waren zu bekommen. Damit haben sie A den Markt ruiniert und B wussten sie gar nicht was sie eigentlich wert sind und da wollten wir ein bisschen gegensteuern und erklären wie man besser werden kann, wo man Geld damit verdienen kann. Vom Rechtlichen bis hin zur Bildbearbeitung.

Die „Blogspähre“ war in den ersten Jahren sehr überschaubar und wir wussten genau an wen wir uns da wenden mussten. Plötzlich in den letzten Jahren ist es explodiert, weil es einfach so viele Blogs gibt in allen Bereichen, Nischen und Mainstreams. Dementsprechend haben wir es dann auch ein bisschen anders konzipiert und eher ausgelegt auf eine breitere Gruppe, also es heißt ja immer noch Fashion Camp obwohl es ja mit Fashion direkt nichts mehr zu tun hat. Der Name kommt daher, weil die ersten Blogs aus dem Fashion-Bereich gekommen sind.

Haben sich die Blogger verändert?

Ja, definitiv. Es gibt einen ganz hohen Professionalisierungsgrad. Früher hat man einfach so unbedarft angefangen. Mittlerweile gibt es bei guten Blogs ein Konzept, eine Zielgruppengestaltung und -bespielung, Bildbearbeitung, es ist auch von den Artikeln her viel professioneller.

Deinen eigenen Blog – The Lipstick – hast du neben deinem Job in der Beautyindustrie gegründet?

Nein, ich habe gekündigt um Lipstick zu machen und wollte eigentlich wirklich ein Beauty Online-Magazin schaffen und dachte mir:

“In drei Jahren bin ich Internetmillionärin” (lacht).

Ich hatte schon den richtigen Riecher und habe ja auch eine Vorreiterrolle übernommen, aber ich hatte einfach eine Community, die man sich heute so nicht mehr aufbauen kann, weil es ja sonst nichts in diesem Bereich gab. Ich war aber eben auch in der Vorreiterrolle Geld einzusammeln von Konzernen für Werbung und dann habe ich vergessen, dass wir in Österreich leben und dass hier kein Cent ausgegeben wird für etwas, das auch gratis konsumiert werden kann. Das war dann ziemlich hart. So habe ich auch angefangen größere Unternehmen zu beraten, weil ich ja irgendwie meine Kredite zurückzahlen musste. Das war halt dann eine sehr harte Zeit.

Wenn wir von Schönheit sprechen – sprechen wir dann nicht auch von einer sehr oberflächlichen Welt?

“Ich tu mir ein bisschen schwer damit, dass die Schönheitswelt eine oberflächliche Welt sein soll.”

Weil es einfach die Schönheitswelt ist und was sollen die sonst sein? Ich finde einfach, dass Oberflächlichkeit negativ besetzt ist und das finde ich nicht richtig. Die Beautyindustrie stellte früher nicht den Anspruch an sich die Welt zu verbessern, das stimmt allerdings nicht mehr. Wenn man sich zum Beispiel die Labels der Cosmeterie anschaut, dann ist es sehr spannend was in den ganzen Produkten drinnen ist. Keine tierischen Inhaltsstoffe aus Massentierhaltung, vegane Sachen, die nachhaltig angepflanzt werden, kein Palmöl etc. Ich finde da geht es in ganz ganz tiefe Weltpolitische Sachen rein. Die wenigsten Leute haben Lust sich damit zu beschäftigen, was in ihrem Cremetigel drinnen ist. Ich finde das liegt einfach im Auge des Betrachters wie man an diese Sachen rangeht. Deshalb finde ich nicht, dass es oberflächlich ist. Es ist nur persönlich oberflächlich, wenn man nicht darüber nachdenkt, was ich persönlich verantwortungslos finde.

Was ist Schönheit für dich?

Schönheit liegt sicher im Auge des Betrachters, obwohl ich in dieser Make-up Welt lebe und mich darin bewege – und ich glaube ich habe zu Hause wahrscheinlich so viele Schminksachen wie eine Parfümerie. Ich selber schminke mich so wie ich mich fühle, das ist etwas sehr persönliches, jeder so wie er mag. Ich mag Typen sehr gerne und das kann jemand sein, der voll tätowiert ist und ein heftiges, auffälliges Make-up trägt und dann gibt es Typen die Nude Make-ups tragen und zart wie Elfen sind. Ich mag einfach Typen, egal in welche Richtung die gehen, sie sollten nur stark unterstrichen sein.

Gibt es ein Make-up Must-Have, etwas zu dem du immer greifst?

Lidstrich und Maskara, ohne dem fühle ich mich nackt, nicht schön.

 

 

Vielen Dank für deine Zeit Sophie und weiterhin viel Erfolg für all deine Projekte. Wir sehen uns beim nächsten Fashion Camp ;).

 

Nähere Infos:

Cosmeterie

The Lipstick

Fashion Camp Vienna