Bobby hat es in ihrem Artikel über Froschkönige und Traumprinzen* neulich auf den Punkt gebracht: “DER Traumprinz ist nicht immer der mit dem Schloss und dem Pferd. Vielmehr ist es der, der sie wie eine Königin behandelt und sie und jeden Zentimeter ihres Körpers wertschätzt und liebt.” Doch auch mit einem liebevollen und wertschätzenden Partner an der Seite kann es Frauen schwer fallen, einen ähnlich liebevollen Blick auf sich selbst und den eigenen Körper zu haben. Grad zu Beginn einer Beziehung gibt es einige Hemmschwellen zu überwinden: frau zeigt sich zum ersten Mal nackt, was wird er denken, wird er die Röllchen, Cellulite usw. doch nicht mögen? Da hilft es, auch aus sich selbst heraus ein gutes Selbstbewusstsein zu entwickeln. [*Der Traumprinz kann natürlich auch eine Sie sein :)]

Einen sehr spannenden Weg, sich dem eigenen Körper anzunähern, hat wie ich finde Heidi zu berichten. Heidi ist die Gründerin der Berliner Big Cup-Marke Pique Lingerie. Wir haben uns im Sommer 2015 kennengelernt und sind inzwischen gut befreundet, weswegen ich mich sehr freue, sie euch heute vorzustellen! Mit Pique Lingerie hat sie gerade eine Crowdfunding-Kampagne via Kickstarter laufen, um ihre Debütkollektion zu finanzieren. Ihre BHs wird es vorerst in den Größen 70 F-J, 75-85 E-J, 90-95 E-G sowie Pantys in Größe 36-48. Das lässt bei den großen Größen zugegeben noch Luft nach oben, aber Heidi möchte den Größenbereich ausweiten, sobald es ihr finanziell möglich ist. Falls ihr das unterstützen möchtet, schaut sehr gern bei ihrer Kickstarter-Kampagne vorbei. Ansonsten lasse ich jetzt Heidi zu Wort kommen, um über ihren Weg zu mehr Bodylove zu berichten:

Pique Lingerie Gründerin Heidi (c) Pique Lingerie

Hallo, ich bin Heidi. Ich bin übergewichtig und ich liebe meinen Körper. Und Sex. Und BDSM. So, das hätten wir schon mal  Aber es war nicht immer so. Ganz im Gegenteil.

Wie so viele Mädchen hatte auch ich als Teenager ein sehr schlechtes Verhältnis zu meinem Körper. Moppelig war ich schon seit ich mich erinnern kann, mit vielen Reserven für kalte Tage. Mal war es mehr und mal war es weniger. Aber gertenschlank war ich nie. Und genau das habe ich täglich sehr deutlich zu spüren bekommen.

Von Kommentaren wie „du wärst so hübsch wenn du abnehmen würdest“ bis zu gut gemeinten aber überheblichen Ratschlägen, dass ich doch weniger essen soll, war alles dabei. Shoppingtouren mit meinen schlanken Freundinnen waren der Horror. Während sie ein süßes Teil nach dem anderen anprobierten durfte ich durch Kleidung stöbern in die nicht mal mein rechter Oberschenkel passte. Und was den BH-Kauf angeht war es noch schlimmer. Statt bunter Spitzenbralettes hatte ich zwei großartige Optionen: den Still-BH (ich war 14!!) in weiß…oder in beige.

Die Folge: Ich habe mich für meinen Körper und vor allem für meine riesigen Brüste geschämt und wurde zum Mauerblümchen was erheblichen Schaden bei meinem Selbstbewusstsein anrichtete. Als ich älter wurde kamen dann noch ein paar Kilo, Dehnungsstreifen, Cellulitis und etwas Winkfett dazu, was die ganze Sache nur noch schlimmer machte.

Als mir vereinzelte Männer offenbarten, dass sie mich attraktiv fanden war meine Reaktion stets Überraschung. Irgendwann habe ich mich dann tatsächlich auf eine Beziehung eingelassen. Den Sex habe ich aber nur bedingt genossen. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, mir Gedanken darüber zu machen, welches Körperteil gerade schwabbelt. Gerne hätte ich im Bett mehr ausprobiert und traute mich aber nicht. Und so ging es weiter mit dem mittelmäßigen Sex. Schnarch.

Aber neugierig war ich trotzdem, vor allem was Dinge anging die Tabu waren. So wie BDSM.

Model Sandra Gansweid (c) Pique Lingerie

BDSM

Also nahm ich eines Tages meinen ganzen Mut zusammen und ging mutterseelenallein auf eine Fetischparty. Ich sachs euch ihr Lieben, ich war SO nervös, wusste nicht wie ich mich verhalten soll, hatte tierische Angst, dass niemand mit mir redet und sah mich schon einsam und allein mit einem Gin Tonic (oder drei) in einer Ecke sitzen.

Aber ich hätte mir gar keine Gedanken machen müssen. Ich wurde lieb, herzlich und rücksichtsvoll aufgenommen. Die Partyorganisatoren zeigten mir die Räumlichkeiten, diverses Spielzeug, wie man sich respektvoll verhält, und ermutigten mich dazu doch einfach mal zuzuschauen und zu sehen wie es auf mich wirkt.

Ich war hin und weg. Von der Freiheit, der Offenheit, und dem ungezügelten Hedonismus den ich bis jetzt überhaupt nicht kannte. Was mich aber am meisten beeindruckte war, wie die Partygänger mit ihrem Aussehen umgingen. Ob man unter dem engen Latexkleid den Bauch sieht oder das Winkfett beim Gertenschwung mitschwingt war herzlich egal. Ausschlaggebend war die selbstbewusste Ausstrahlung und die Chemie zwischen zwei Spielpartnern.

Die Menschen die ich sah waren mir ein Vorbild. Sie trugen was sie wollten, machten was sie wollten, und das auch noch ganz selbstbewusst. Mit jeder weiteren Party legte ich meine Schüchternheit, und allmählich auch diverse Kleidungsstücke, ab.

(c) Pique Lingerie

Auch im Schlafzimmer änderte sich etwas. Das Licht blieb an und ich traute mich an die unvorteilhaftesten Positionen und merkte, dass es doch gar nicht so schlimm ist. Und ich habe angefangen Sex zu genießen. Meine Fresse, war das ein Hallelujah Moment. Leudde, ich sach’s euch, nichts ist geiler als sich selbst geil zu finden.

Ich merkte, dass auch ich mit meinen extra Polster und Reserven ein sexuelles Wesen bin. Dass ich Lust verspüre und mich sexuell auch ausleben möchte…und das auch darf! Und habe mich gefragt wie ich mir das all die Jahre habe ausreden lassen.

Ich finde wir reden im Plus Size Bereich allgemein viel zu wenig über Sex. Wir reden über Körper, aber so wenig über Sex, obwohl die beiden so eng miteinander verbunden sind. Warum? Sind wir, nur weil wir dicker, fülliger und kurviger sind, auf einmal asexuell?

Pique Lingerie

Dieses Tabu wollte ich aufbrechen und zwar mit etwas, was mir sehr am Herzen liegt: sexy Dessous für große Körbchen. Ich wollte anderen das Trauma des beigen Still-BHs ersparen und die Hemmschwelle zwischen dem „imperfekten“ Körper und der Lust überbrücken. Und so gründete ich Pique Lingerie.

Seitdem entwerfe ich Dessous in denen sich kurvige Frauen stark, schön und erotisch fühlen, die ihr Selbstbewusstsein unterstreichen und ihre Leidenschaft hervorheben. Man kann sich nicht sexuell entfalten wenn man sich nicht in seinem Körper wohl fühlt. Dein Körper steht dir nicht im Weg. Viel mehr ist er ein fabelhaftes Instrument zur Entdeckung neuer Gefühle und sexueller Abenteuer.

Also, meine Lieben, worauf wartet ihr noch?

(c) Pique Lingerie

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Bildmaterial: (c) Pique Lingerie