Es verbindet Sie mehr als der gleiche Name des Großvaters – Rudolf. Antonia Maedel und Lisa Mladek, die Gründerinnen des Labels Rudolf, stehen für hochwertige und nachhaltige Designs. Klassisch, reduziert und mit ausgezeichneter Qualität, so lassen sich die Kollektionen des jungen österreichischen Modelabels beschreiben, das jenseits von gängigen Kleidergrößen denkt.

Lisa, verantwortlich für alles rund um das Thema Färberei und Antonia, Expertin beim Thema Weben, designen und produzieren ihre Kleidung in und rund um Wien.

In einem Interview hat mir Antonia Maedel einen Blick hinter die Kulissen gewährt.

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Seit wann kennt ihr euch?

Wir waren im Gymnasium in Parallelklassen und kannten uns, aber wir haben uns dann nach der Schule aus den Augen verloren. Ich habe in England gelebt und die Lisa (Mitgründerin Lisa Mladek Anm. der Red.) hier in Wien. Ganz zufällig haben wir uns dann auf einer Hochzeit wiedergetroffen und ja, der Rest ist Geschichte lacht. Ich habe meine Masterarbeit über Naturfarben geschrieben und Lisa hat zu der Zeit gerade überlegt ob sie die Färberei ihres Vaters mit den Naturfarben übernehmen soll und ich war auch so am Überlegen was ich machen soll. Nach der Uni war ich auf der Suche und wir haben uns auf Anhieb einfach perfekt verstanden und die Ideen sind sofort gesprudelt. Wir haben einfach beide gewusst, dass es passt.

Ihr habt euch beide dafür entschieden Nachhaltigkeit zu einem zentralen Punkt eures Labels zu machen?

Ja, das ist nicht nur wichtig sondern eigentlich selbstverständlich für mich. Ich kann mir nicht vorstellen 2016 ein Unternehmen zu gründen bei dem man nicht darauf achtet. Wie kann man sich sonst am Markt behaupten? Ich finde es ist kein Businessmodel in China einfach Pullis stricken zu lassen. Für mich war auch deshalb nie der Plan in die Mode zu gehen, weil ich dachte das macht ja keinen Sinn. Es gibt ja schon so viel, es gibt ja schon alles. Aber das was Rudolf macht gibt es eben noch nicht, oder ich habe es zumindest noch nirgends sonst gesehen.

Das Label Rudolf gibt es seit wann?

Offiziell gegründet haben wir 2014. Die Idee entwickelt haben wir schon davor, fast 1 ½ Jahre.

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Die Rudolf “Kreativwerkstatt”

Seitdem ist euer Label ja nicht nur in Österreich bekannt geworden, sondern auch international?

Wir waren in Berlin auf der Fashion Week und wir haben im Juni einen Modepreis von der Erste Bank gewonnen und dürfen nach Paris zur Modewoche fahren.

Eure Kleidungsstücke haben ja alle Namen, warum?

Die Reaktion auf den Namen unseres Labels war immer „Ah Rudolf, wie das Rentier“ und irgendwann haben wir dann gesagt, nein Rudolf wie der Thronfolger eigentlich. Das sollte zu Beginn nur ein Scherz sein, aber irgendwann haben wir dann gedacht, dass es toll wäre immer einen anderen „Rudolf“ als Namenspatron für unsere Kollektionen zu haben. Die erste Kollektion war eben der Thronfolger Rudolf und deshalb haben die Stücke alle Namen von Habsburgern.

Die nächste Kollektion wird inspiriert von dem Ballett-Tänzer Rudolf Nurejew. Dabei haben wir viele Teile die immer weitergeführt werden, die werden immer gleich heißen, nur die Materialien und die Farben werden geändert.

Die Grundkollektion ist immer die gleiche Kollektion, ihr verwendet andere Farben – wonach richtet ihr euch dabei? Gibt es Limitierungen aufgrund der Verwendung von Naturfarben?

Also es ist sehr vielfältig (legt mir eine sehr umfangreiche Farbepalette vor die Nase Anm. der Red.), das denkt man immer nicht, da denkt man imemr an Schlammtöne. Wir halten die Farben immer sehr dezent. Es wird immer Farbakzente geben, wie z. B. Bei unserer Frühjahrs- Sommerkollektion war es das Gelb und das Grün und sonst relativ schlicht. Es sollen ja eigentlich Teile sein, die man sich für eine lange Zeit kauft, die immer im Schrank bleiben und da greift man halt immer eher zu Schwarz, Grau. Es ist halt so. Wir wollen natürlich trotzdem die Naturfarben zelebrieren.

Ihr designt also sehr langlebige und klassische Kleidungsstücke. Sind da Trends eigentlich ein Thema?

Natürlich beeinflussen uns Trends auch. Wir haben den Anspruch zeitlos zu sein, aber das ist man ja nicht, die Zeit in der man lebt beeinflusst einen immer. Aber unser Anspruch ist es schon so zeitlos und klassisch wie möglich zu sein. Dann kauft man sich bei uns vielleicht eher einen Pulli anstatt fünf Pullover wo anders.

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Wie entscheidet ihr über eure Farbauswahl, wann ihr welche Farben einsetzt?

Das passiert im Laufe unseres „research“, wenn wir also Inspirationen für unsere Kollektionen zusammensuchen, ein Moodboard machen (Erklärung!!) und dann kristallisiert sich das heraus.

Bei euch wird alles rund um Wien produziert. In etwa 150 Kilometern Entfernung? Wie funktioniert euer Produktionsablauf?

Wir kaufen das Rohgarn zu, das ist nicht aus Österreich. Es gibt diese Qualität einfach nicht bei uns. Natürlich würden wir lieber österreichisches Garn kaufen, wir schauen auch immer, aber das geht leider noch nicht. Die weiteren Produktionsschritte, das Färben, Stricken oder Weben, Konfektionieren, das passiert alles rund um 150 Kilometer um Wien. Wenn es geht immer so lokal wie möglich, also zum Beispiel das Färben und Weben ist hier in Inzersdorf. Die Weberei ist nur einen Kilometer von der Färberei hier entfernt. Das Konfektionieren von den Seidenstoffen findet im 16. Bezirk in Wien statt. D. h. Unsere Seidenteile und unsere gewebten Teile sind alle komplett in Wien gefertigt und vom Strick sehr viel, aber nicht alles.

Die Wolle die wir verwenden kommt aus garantiert biologischer Tierhaltung und ist zertifiziert. Natürlich müssen wir uns dabei auf das Zertifiikat verlassen. Wir schauen immer, aber die österreichische Wolle ist nicht ganz so weich…. Dabei ist es auch wichtig, dass wir die Rohstoffe kontinuierlich beziehen können.

Wie lange dauert der Prozess von der Idee eines Kleidungsstückes bis zum fertigen Produkt?

Ganz unterschiedlich. Manchmal geht es ganz schnell, dann ist es in zwei Wochen fertig, manchmal dauert es viel länger weil wir nicht zufrieden sind. Manchmal ist ein Prototyp beim ersten Mal schon perfekt und manchmal muss man einfach noch daran arbeiten….

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Was eure Größen betrifft: habt ihr viele One Size Produkte oder richtet ihr euch hier nach Konfektionsgrößen?

Wir haben ein paar Teile, wo wir Konfektionsgrößen haben, aber wir versuchen One Size Teile herzustellen.

Welche Größen in etwa?

Von 34 bis 46 haben wir das bis jetzt. Die Idee ist aber schon, die Größen nicht so zu limitieren. Auf Bestellung ist es natürlich auch möglich ein Kleidungsstück größer herzustellen…

Wir schreiben keine Konfektionsgrößen in unsere Kleidungsstücke hinein. Es ist oft so ein riesiges Thema, das Größenthema bei Frauen. Das wollen wir nicht, deshalb haben unsere One Size Stücke die Größe 0 und dann haben wir die Größen 1, 2, 3 . Wir haben das ganz anders belabelt.

Ihr wollte Größe erst gar nicht zum Thema machen?

Es ist ja nicht wichtig welche Größe in einem Kleidungsstück steht, sondern wie man sich darin fühlt.

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Designt ihr auch Mode für Männer?

Noch nicht. Wir möchten auch gerne Unisex-Teile herstellen. Das Kleidungsstück soll einfach im Vordergrund stehen. Möglichst vielen Menschen soll es gefallen und viele sollen es tragen können.

Euer eigener Stil ist auch eher minimalistisch und reduziert?

Ja schon, sowohl Lisa als auch ich mögen es eher reduziert und schlichter.

Ihr stellt auch Accessoires her?

Wir haben Mützen, gewebte Schals, Decken und Kissen.

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Wo kann man eure Sachen kaufen?

Unser Onlineshop entsteht gerade, das ist allerdings schwierig. Wir überlegen noch welche Stücke wir in den Onlineshop stellen können. Unsere Kleidungsstücke leben eigentlich davon, dass man sie anfasst, vor allem die Seide. Die Accessoires kommen auf jeden Fall in den Shop und wir sind gerade dabei Kooperationen mit Boutiquen zu starten.

Und ein eigener Shop?

Das ist schon ein Traum, aber ich weiß nicht wie schnell das gehen wird lacht.

Wir verkaufen z. B. auf Märkten und wir sind auch ganz gut in der Presse und da kommen viele Anfragen. Wenn uns jemand ein E-Mail schreibt, dann können wir das gewünschte Kleidungsstück gerne auch so verkaufen..

Kannst du schon sagen wie eure typische Kundin ist?

Ich würde sagen, das ist bunt gemischt. Das ist genau das was wir möchten.

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Vielen Dank für das Interview Antonia und eure Zeit und viel Erfolg für eure Zukunft. Ich bin auf die nächsten Kollektionen gespannt.

 

Mehr über das Label Rudolf:

http://www.rudolfvienna.com