wz3LVfecNLg

Wild, savage – bei der Lingerie Linie von Rihanna – Savage x Fenty – ist der Name Programm. Seine wilde Seite zeigen, man selbst sein, frei sein, sexy sein. Schon während ich mir gerade auf Amazon Prime die Savage X Volume 2 Fashion Show anschaue beginne ich diese Zeilen zu tippen. Dabei frage ich mich: ist das Lob von allen Seiten wirklich gerechtfertigt? Was macht Rihanna so anders als andere und wie echt ist das alles eigentlich?

Wild

Denn eines war von Anfang an klar, wenn Rihanna ein Event aufzieht, dann wird es außergewöhnlich. Nicht nur wild, sondern auch anders. Nicht Mainstream. Hier enttäuscht Rihanna auf keinen Fall. Die Fashion Show ist nicht nur cool. Sie ist ebenso prominent besetzt (u. a. sind Model Cara Delevigne, Paris Hilton oder auch Sängerin Lizzo mit von der Partie).

Doch wild ist natürlich ein wichtiges Thema. Denn Savage heißt genau das: wild. Schon fast aggressiv. Direkt, offensiv. In your Face fällt mir dazu ein. Hier wird nichts versteckt, nichts ist subtil. Diese Wildheit, dieses aggressive zu sich, dem eigenen Körper zu stehen, steht im Vordergrund. Die stylische Lingerie untermalt diese Attribute, verstärkt den Effekt.

Nahbar

Was macht das Erlebnis dieser Fashion Show so besonders? Neben all der Musik, den prominenten Models, der coolen Inszenierung ist es für mich eines: Nahbarkeit! Denn sein wir uns einmal ehrlich. Haute Couture , große Fashion Shows von Dior, Chanel und Co. sind viel, aber nicht nahbar. Sie sind exklusiv, edel und oftmals nur einer kleinen Gruppe von Menschen vorbehalten.

Nun, in Zeiten von Corona ändert sich das zunehmend. Denn Modenschauen werden online übertragen. Live gestreamt. So können wir “Normalsterblichen” an solch speziellen Ereignissen teil haben. Doch Rihanna macht noch etwas ganz anderes. Sie nimmt uns mit auf eine besondere Reise. Zeigt uns Entstehungsprozesse, gibt uns Hintergrundinfos. Lässt uns teilhaben. Auch die Auswahl ihrer Models macht die Savage X Fenty Vol. 2 Show, bei aller Prominenz, nahbarer.

Wieso? Weil so unterschiedliche Körper, Geschlechter, Persönlichkeiten, Ethnien, Menschen, gezeigt werden. Die Show ist ein einziger “Melting Pot” (Schmelztiegel) an Unteschiedlichkeiten. Jedoch eint alle Mitwirkenden eins. Neben der Präsentation der farbenfrohen, sexy Dessous / Lingerie: die Einstellung. Der Glaube an Freiheit, Gleichheit….

Frei

“Sexualität zu zeigen ist etwas weit mehr als Oberflächliches für mich”, “Es ist die Ermächtigung zu tragen, was immer ich will, für mich selbst und niemanden sonst”… einige Zitate – Savage X Fenty Show Vol. 2 – Amazon Prime

Übersexualisierung ist des Öfteren ein Thema, das öffentlich diskutiert wird. Besonders, wenn es um Social Media, das Internet ganz allgemein und die Darstellung von Sexualität geht. Auch Rihannas Fashion Show strotzt nur so vor sexueller Anspielungen und Posen. Doch dahinter steht viel mehr. Genau das macht es auch für mich so spannend.

Denn im Vordergrund stehen persönliche Statements, persönliche Entwicklungen, die ganz persönliche & individuelle Sexualität. Es geht nicht einfach darum Aufreizendes zu zeigen. Es geht viel mehr um die Freiheit der eigenen Sexualität. Des eigenen Körpers. Dabei wird jede Körperform / jedes Geschlecht bedacht. Der dicke Körper wird öffentlich kaum als sexuell attraktiv oder wichtig gesehen. Doch bei Savage X Fenty wird hier kein Unterschied gemacht. Jede Art der Sexualität und Freiheit diese individuell zu leben und selbstbestimmt zu entscheiden steht im Vordergrund.

Rihanna entführt uns in die Kulisse eines futuristisch, farbenfrohen Gartens. Menschen in Dessous tanzen, bewegen sich durchaus auch aufreizend zur Musik. Dennoch, alles fühlt sich einfach schön an. Ja, etwas kann sich auch “schön” anfühlen. Ästhetisch, natürlich, stark. All diese unterschiedlichen Körper. Individuell und doch zu einem Bild verschmelzend. Irgendwie auch gleich.

Gleich

Hier meine ich gleich im besten Sinne aller Worte. Denn ob groß, klein, dick, dünn, männlich, weiblich oder auch alles dazwischen – alle Körper werden gleich präsentiert. Gleich stark, sexy, cool, ästhetisch. Die gesamte Inszenierung ist hoch professionell. Nichts wirkt billig. Nichts wirkt wie eine Karikatur der teilnehmenden Menschen.

Ob plus size oder straight size. Jeder Mensch zeigt seine Stärken und sein tänzerisches Können – wie es eben jede/r kann. Das ist ziemlich sicher auch der Punkt, den ich am meisten toll finde: dicke Menschen werden nicht vorgeführt. Zeigen ihr tänzerisches Talent, ebenso wie straight sizes. Genau so professionell. ästhetisch. Was normal klingt und sein sollte ist es nämlich leider allzu oft nicht…

Die musikalische Untermalung tut ihr übriges. Wobei Untermalung untertrieben ist. Denn die Acts performen als integraler Bestandteil der Fashion Show.

Wenn von Diversity gesprochen wird, dann halte ich das sehr oft für ein Lippenbekenntnis. Denn es wird meist nicht wirklich auf Diversität geachtet oder ist sehr einseitig (z. B. Diversität bei Körpern, aber nicht bei Ethnien oder sexueller Orientierung). Doch bei Savage X Fenty ist es anders.

“..Wenn ich etwas kreiere, dann denke ich an alle Menschen in meinem Umfeld. Alle haben verschiedene Größen, Körperformen, Ethnien….” Rihanna

Savage X Fenty

Stark, selbstbestimmt, wild, frei, sich des eigenen Körpers sehr bewusst. Ja, die Show gefällt mir sehr gut. Die Botschaft ist so wichtig, die Ästhetik des Dargebotenen ist fabelhaft. Rihanna hat mit der Ausstrahlung ihrer Show via Amazon Prime natürlich einen wahren Coup gelandet. Dies ist sicherlich ihrer großen Berühmtheit geschuldet. Dennoch, es ist so essenziell, dass sich berühmte Menschen, die so sehr in der Öffentlichkeit stehen, für Diversität stark machen.

Denn so wird sie viel mehr zur Norm und kann Sehgewohnheiten und Einstellungen verändern. Wobei wir da leider noch einen weiten weg vor uns haben. Doch Rihanna geht mit gutem Beispiel voran. Vielleicht folgen ihr ja bald auch große Modehäuser. Wobei wir ja gerade erst etwas mehr Körperdiversität (Plus Size sozusagen) auf dem Laufsteg von Versace gesehen haben ;). Wichtige Schritte.

Natürlich spielt für mich persönlich das Thema Plus Size eine entscheidende Rolle. Das ist es, was Savage x Fenty Dessous so interessant für mich gemacht hat. Zugegeben. Doch nach genauerer Betrachtung weiß ich jetzt, dass es um viel mehr geht.

Verändert Rihanna mit ihrem Anspruch an Diversität in Mode & Beauty die Modewelt nachhaltig? Ich würde es mir wünschen. Denn ganz offensichtlich geht es ja. Wenn die Industrie, die Fashionwelt es will, dann ist es auch möglich. So erlebte Victoria’s Secret ja gerade genau die umgekehrte Erfahrung zu Savage x Fenty. Nämlich eine regelrechte Welle der Empörung ob des ewig gleich bleibenden Schemas an Körpern und Darstellungen. Dennoch, um von einem nachhaltigen Trend zu sprechen fehlen noch entsprechend nachhaltige Tatsachen.

Noch sind viele Dinge nur Lippenbekenntnisse. Immer noch hängen wir, auch bei Plus Size, dem Ideal der Hour Glas Figur nach. Noch immer ist auch die ethnische Diversität nicht ausreichend gegeben (und das, obwohl Mode ein derartig internationales Thema ist..).

Genauer betrachtet passiert während ich Amazon Prime schaue gerade Folgendes: ich fange an diese körperlichen, ethnischen Unterschiede bei der Savage X Fenty Show Vol. 2 gar nicht mehr als solche wahrzunehmen. Ich sehe einfach nur Style, Coolness & Freiheit.

 

Titelbild: alle Rechte liegen hier bei Amazon

Das ganze Video findet ihr hier: https://www.amazon.com/Savage-X-Fenty-Show/dp/B08JQNCY8R

 

Navabi vs. Victoria’s Secret