Weil es eben nicht Wurst ist. „Einkaufen mit allen Sinnen“, heißt eine neue Kampagne der Wirtschaftkammer Wien, die mehr Lust auf Shopping in Wiens Boutiquen machen soll. Das Außergewöhnliche an der Kampagne ist ihr Testemonial: Conchita. In einem persönlichen Gespräch habe ich mit Conchita über Selbstbewusstsein, Bodypositivity, die Qualität österreichischer Desings und darüber gesprochen, warum es so wichtig ist, sich einfach unwiderstehlich zu fühlen.

Conchita mit dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, Walter Ruck & Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel der WK Wien

Conchita (Mitte) mit dem Präsidenten der Wirtschaftskammer Wien, Walter Ruck (links) & Rainer Trefelik (rechts), Obmann der Sparte Handel der WK Wien, Fotografin: Karo Staufer

Kleidung macht Selbstbewusst

Als Conchita Wurst hast du dich immer besonders aufwendig gestyled. Kann Kleidung selbstbewusster machen?

Conchita: Ja, aber es ist nicht zwingend davon abhängig ob es ein Kleid ist oder eine Hose. Wie soll ich sagen, wenn ich mich unwiderstehlich finde, dann könnte ich die Welt aushebeln und ich glaube, da geht es uns allen gleich.

Ich macht das heute genau so selbstbewusst oder nicht selbstbewusst wie damals. Nur war es damals eben femininer und mehr Präsidentengattin und weniger Captain Jack Sparrow.

Hat dich das auch privat selbstbewusster gemacht?

Conchita: Nein (schüttelt den Kopf).

Hat also mit deinem privaten Ich, mit Tom gar nichts zu tun?

Conchita: Nein in Wahrheit, wenn man das jetzt auch tiefenpsychologisch betrachtet, bin ich eigentlich nicht ein so wahnsinnig selbstbewusster Mensch. Das ist natürlich viel Fassade und Make-Up. Das ist ja durchaus auch in Ordnung, auf der Bühne muss es ja auch „larger than life“ („größer als im Leben“ Anm. der Red.) sein. Ich bin aber durchaus auch zerfressen von Selbstzweifeln, die einen nicht wirklich weiter bringen. Ich arbeite wirklich daran, das zu akzeptieren was ich kann.

Weil unsere Gesellschaft ist ja eher darauf getrimmt, sich klein zu halten, bescheiden zu sein und eher, wenn man etwas gut kann, das runter zu spielen, als Selbstverständlichkeit. Ich hab das aufgehört, ich hab einfach auch entdeckt für mich, dass es eben auch viele Dinge gibt die ich nicht kann, wie Mathematik und Fussballspielen. Aber dafür habe ich ein großes Talent Menschen zu unterhalten. That’s it. Das feiere ich und es geht mir definitiv besser damit. Es gibt aber eben immer auch wieder Tage wo man in diesen Trott verfällt und wo es dann eben nicht so lustig ist.

Bobby im Gespräch mit Conchita

Ins Gespräch vertieft. Fotografin: Karo Staufer

Bodypositivity

Was deinen Körper betrifft. Gab es jemals Momente wo du gesagt hast „Ich fühl mich einfach nicht wohl mit mir..“?

Conchita: Jein..ich hab mich immer wohl gefühlt, aber ich merke einfach jetzt dass dadurch, dass ich Workouts mache und auf meinen Körper achte, werde ich einfach zu der Person, die ich sein möchte. Als Teenager oder jüngerer Bursch war mein Körper genau so wie ich ihn wollte. Wenn mir mal etwas nicht gepasst hat, dann habe ich etwas dagegen getan. Ich hatte nie wirklich Bodyissues (Körperprobleme Anm. der Red.). Mit meinem Körper habe ich mich eigentlich immer gut gefühlt. Nicht zwingend mit meiner Nase, aber das ist nicht „the whole thing“ (das Ganze Anm. der Rede). (lacht)

Nein ist es nicht, aber es ist wichtig sich in seinem Körper wohl zu fühlen.

Conchita: Absolut.

Mit sich im Reinen sein

Kennst du den Begriff Bodypositivity?

Conchita: Ja.

Könntest du mir sagen, was du damit verbindest? Was bedeutet Bodypositivity für dich?

Conchita: Also ich hoffe ich verstehe das richtig und interpretiere das richtig. Für mich ist es das worüber wir gesprochen haben. Egal wie du aussiehst, dass du mit dir im Reinen bist und dich einfach auch so feierst wie du bist. Wenn dir etwas nicht gefällt, dann eben die Motivation zu finden es zu ändern. Aber eben nicht für andere sondern für einen selbst. Das ist schon auch, was ich lebe. Mir fiel es vorher schwer einen Begriff zu finden. Aber ich glaube bei mir ist es auch ein Stück weit Fetisch.

Also wenn ich mich im Spiegel ansehe, dann will ich so aussehen, wie mich das auch anmachen würde. Ich glaube deswegen hatte ich auch immer, wenn man das so sagen kann, diesen „Drive“ –ich möchte mich unwiderstehlich finden. Ich glaube das ist irgendwo so der Schlüssel warum ich in dieser Hinsicht weniger Probleme hatte, weil ich muss mich unwiderstehlich finden, sonst funktioniere ich nicht.

Da würden jetzt sicher wieder viele sagen, dass ist arrogant. Aber ganz ehrlich, wenn ich mich nicht umwerfend schön finde, ich kann nicht drauf warten bis mir das jemand sagt. Ich kann nicht mein Glück von anderen abhängig machen. Natürlich ist es schön Komplimente zu bekommen aber in Wahrheit sollten wir es auch ohne ihnen schaffen und das ist halt schon eine Reise..

Kampagnen Plakat: Wo ich einkaufe ist mir nicht Wurst

Weil es eben nicht Wurst ist

Jetzt mal kurz zur Mode. Worauf achtest du beim Einkaufen? Was ist dir an Kleidung wichtig?

Conchita: „I wü schoarf ausschauen“ (lacht)

Ist denn auch die Qualtität wichtig?

Conchita: Das ist natürlich auch etwas Wichtiges. Also ich muss sagen früher hatte ich weder das Geld noch das Interesse zu verstehen, warum es eben gut ist z. B. einen Kaschmirpullover zu besitzen und den auch richtig zu waschen. Das wird mit zunehmendem Alter und mehr Wissen immer wichtiger. Ich komme aus der Modebranche und habe das ja auch gelernt und somit habe ich auch noch bezüglich Schnitttechnik usw. zusätzliches Wissen, das manche nicht haben. Für mich ist es schon wichtig, dass die Schulternaht richtig lang ist und dass der Ärmel gut eingesetzt ist und dass es eine gute Qualität ist.

Ich habe keinen Bock einen schwarzen Jumpsuit zu kaufen der schon im Shop weiße Fusseln anzieht. Das sind so Sachen, das übersieht man halt, wenn man darauf keinen Wert legt, aber ich finde das ist schon wichtig und Qualität setzt sich einfach auch durch. Viele sagen dann „Naja es ist so teuer…“ Ja, das stimmt. Für Dinge die man nicht so oft trägt kann es ruhig die billigere Variante sein. Doch bei Basics sollte man sich schon etwas zulegen, das dann auch Beständigkeit hat.

Die Liebe zu Österreichs Designern

Wo kaufst du besonders gerne ein? Gibt es etwas wo du besonders gerne hingehst, wo du weißt, ich finde immer etwas?

Conchita: Ja, ich liebe unsere Wiener Designer. Natürlich muss man da schon auch immer ein bissi aufs Geldtascherl schauen, aber da gibt es schon einige. Vor allem Milk, das ist einfach, mit aller Liebe sag ich das, das sind einfach Fetzen die ich liebe. So sehe ich mich und so will ich angezogen sein. Nicht zuletzt auch der Hörl, der unglaublich viel für mich macht. Ich habe heute ein schönes Hemd von ihm an. Das kommt ja auch ein bisschen zur Kampagne zurück. Die kennt man. Man weiß, wie die produzieren, wie sie arbeiten. Du kannst teilweise beim Jürgen Christian Hörl auch vom Entwurf weg bestimmen, woher das kommt und welche Qualität das hat und das liebe ich nach wie vor sehr.

Wenn Schuhe glücklich machen

Wenn Schuhe glücklich machen. Fotografin: Karo Staufer

 

Mehr zur Kampagne der WKO Wien “Einkaufen mit allen Sinnen”.

Fotografin Karo Staufer / Karidaserena