Frauen, Freundschaft, Superstars, nur drei der Themen, die ich bei einem Interview anlässlich des Weltfrauentages mit den Kabarettistinnen Ingrid Diem und Su Mathurin besprechen durfte. Doch beide sind nicht nur Kabarettistinnen, sondern auch Sängerinnen. Dass das bei den Künstlerinnen nicht zu Neid, sondern zu einer engen Freundschaft geführt hat, erzählen sie im Gespräch. Darüber hinaus haben wir über Kritik unter Frauen, Bodyshaming, ihre Programme, Tinder Dates und die Liebe zu den eigenen Oberschenkeln gesprochen.

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Ingrid & Su – eine echte Freundschaft

Wie habt ihr euch kennengelernt, seit wann kennt ihr euch?

S: Also..nein..sag du..

I (lacht): Gewusst, dass es die Su gibt habe ich schon seit Jahren. Über Facebook. Weil in der Musikszene in Österreich kennt, jeder, jeden. Dann haben wir vor einem guten Jahr beide an einem Workshop zum Thema Geld und Selbständigkeit teilgenommen. Da waren wir dann in einer recht intimen Runde und ich habe bemerkt, dass Su eigentlich ganz anders ist, als ich sie auf Facebook wahrgenommen hatte. Ich war menschlich sehr von ihr berührt. Da haben wir dann als gesamte Gruppe eine WhatsApp Gruppe gegründet und uns alle freundschaftlich unterstützt. Da sind wir dann draufgekommen, dass wir beide Kabarettambitionen haben. So irgendwann einmal und dann haben wir uns einfach einmal getroffen um darüber zu sprechen.

S: Nein, so war das nicht….

I: Doch, über die WhatsApp-Gruppe..

S: Nein, ich habe gesagt, ich mache Kabarett und suche eine Frau, die mit mir schreibt.

I: Ja eh, beide Kabarett…

S: Ja, aber deshalb habe ich mich nicht getraut dich zu fragen. So war das damals. Ich habe schon gewusst, dass ich ein Kabarett mache. Die Ingrid hat auch gesagt ja, sie hat schon ungefähr 60 % fertig geschrieben von ihrem. Ich hatte noch gar nichts, nur ein Poster und einen Namen und eine Idee, einen Termin und alles. Also ich habe gewusst, ich muss schon machen.

I: Ja genau ich hatte noch keinen Termin und nix, aber schon ein Programm (lacht).

S: Ja und ich wollte eben mit einer Frau schreiben, weil ich ja auch Frauenthemen bediene und alle die in Frage gekommen wären, die haben mir abgesagt. Ich wusste, dass sie an ihrem schreibt und habe mich nicht fragen getraut, ob sie vielleicht für mich schreiben würde. So war’s und dann haben wir uns getroffen und haben so gelacht und es war einer der lustigsten Abende.

I: Wir waren in einem Lokal ohne Hintergrundmusik und wir waren so laut, wir haben so gelacht.

S: Ja, die wollten uns rausschmeißen. So laut waren wir, so sehr haben wir gelacht. So ist es dann gekommen, dass die Ingrid gesagt hat, ich schreibe gern für dich. Ja, so war das und jetzt erzählst du weiter…

I: Ja, es war von Anfang an so. Normaler Weise, wenn man sich als erwachsener kennenlernt ist man so distanziert aber das war bei uns nie so. Es war gleich so geschwisterlich.

S: Ja, wir haben viele Gemeinsamkeiten und viele Themen auch aus der Kindheit miteinander gelöst.

Ich hatte das Gefühl, ihr kennt euch schon viel länger.

S, I: Ja..

S: Ja, das sagen Alle. Wir hatten beide gleich auch das Gefühl. Wir hatten beide immer im Kopf, dass man als Erwachsener keine so enge Freundschaft mehr haben kann. Weil man gemeinsam nicht so viel durchlebt hat. Aber es ist sehr eng geworden.

Seid ihr euch ähnlich oder gegensätzlich?

S: Sehr ähnlich.

I: Das stimmt.

Gibt es etwas, das ihr besonders an einander schätzt?

S: Besonders mag ich an der Ingrid, dass sie so dankbar ist. Das ist meine Lieblingseigenschaft von ihr.

I: (lacht)

S: Ja, ich kenne keinen Menschen der so dankbar ist. Ja, das schätze ich sehr an ihr.

I: Das wusste ich gar nicht von mir. Die Su sagt alles so ungeniert und fröhlich. Sie ist die einzige Erwachsene die ich kenne, die immer authentisch ist. Das hat sie sofort sehr sympathisch für mich gemacht und ich hatte gleich das Gefühl, dass ich ihr vertrauen kann. Die Su ist bei einem Society-Event nicht anders als am Strand mit ihrem Hund oder zu Hause. Immer authentisch. Sie verstellt sich nicht. Sie wäre genau so, wenn jetzt der Obama reinkommen würde.

S: (lacht laut)

I: Ja, das stimmt. Andere würden sich ur zusammen reißen oder verstellen. Sie würde dem Obama auch sagen: „Hey, du hast da einen Fleck.“ Wenn er wo einen Fleck hätte.

S (lacht noch mehr): Ja, das stimmt…

I: Das macht niemand, aber die Su schon.

S: Warum der Obama? (lacht)

I: Der ist für mich so eine Respektperson. Aber die Su hat mir mit ihrer Art sehr geholfen. Vor meinem ersten Fernsehinterview hatte ich richtig Angst. Su hat mir gesagt, dass musst du dir austherapieren und dafür hast du genau einen Tag. (lacht) Ich dachte immer, man ist unprofessionell wenn man so ist wie im Wohnzimmer. Aber das ist eigentlich das Geheimnis, dass du immer authentisch bist. Du bist du und so gehst du auch zum Interview.

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Unterstützung unter Frauen

Ihr unterstützt euch ja gegenseitig sehr viel. Warum ist das so wichtig für euch?

S: Das ist so gekommen. Das ist nicht so „oh ich muss“. Wenn ich was kann, was sie nicht kann, dann mache ich es und das was ich nicht kann macht sie halt. Es ergibt sich halt immer so.

I: Das ist so entspannend endlich mal. Es ist so neidfrei die Unterstützung.

S: Ja genau, neidfrei.

I: Das kannte ich so nicht.

Unterstützung unter Frauen findet ihr wichtig?

S: Wir sind ein super Beispiel dafür, dass es keine Konkurrenz gibt. Wir machen beide Kabarett, wir haben beide ein Poster mit pinkem Hintergrund. Das haben wir nicht abgesprochen. Sie spricht über Frauenthemen, ich spreche über Frauenthemen. Wir haben bewiesen, dass wir uns nichts wegnehmen. Meine Fans sind ihre Fans und ihre meine.

I: Es hat ja auch was gebracht. Wir glauben ja beide, dass Raum für alle da ist. Es ist ja jetzt nicht: „Oh ich kann nicht mehr Comedy machen, weil es gibt schon jemand der das macht.“

Ich finde es so unangenehm, wenn man das Gefühl hat, ich darf nicht wachsen. Ich hatte das öfter mit Sängerfreundinnen.

Wenn ich da einen Erfolg hatte, dann war das schwierig. Also wenn ein Lied von dir im Radio gespielt wird und das von deiner Freundin nicht. Dann ist das immer so ein 50 % freuen und 50 % Neid. Ich hatte auch lange mit Neid zu tun. Aber dann habe ich herausgefunden, dass das mehr über mich sagt, als über die andere Person. Es ist einfach so toll, wenn dich jemand groß sein lässt.

S: Ich denke es erfordert sehr viel Selbstbewusst sein in dem was du tust. Ich kann nur von mir sprechen, aber ich glaube jetzt nicht, dass ich die beste bin, aber ich denke mir, es ist Platz für jeden und ich bin nicht so wichtig. Ich vergleiche mich nicht mit irgendwem. Da hat mir das Kabarett sehr geholfen, weil ich einfach gesagt habe, wenn es klappt dann klappt es, wenn nicht, dann halt nicht. Als Sängerin war das für mich nicht so einfach. Das konnte ich aber gut aufarbeiten mit Ingrid. Es ist auch schwer eifersüchtig zu sein, wenn man den anderen so von Herzen mag.

I: Wir haben uns nicht nur beruflich, sondern auch privat richtig therapiert. Über viel gesprochen und Feedback gegeben.

S: Auch beim Regie führen ist Offenheit wichtig. Weil man der anderen Person direkt sagt, hey das passt so nicht. Aber wir wissen immer, da ist kein Neid dahinter, sondern einfach Kritik um zu verbessern. Es ist ein konstruktives Arbeiten.

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Su Mathurin – Superstar

Su, dein Programm heißt ja „Superstar“? Wie findest du Formate wie DSDS?

S: Da bin ich zwiegespalten. Ich beurteile jemanden nicht gerne. Das irritiert mich ein bisschen. Das ist bei diesen Formaten das schlimme. Ich würde glaube ich nicht mitmachen. Weder in der Jury noch auf der anderen Seite. Das ist für mich grenzwertig.

Wieso hast du dein Programm „Superstar“ genannt?

S: Ich kann mich gar nicht mehr so genau erinnern, aber auch durch das Wortspiel Su und Star…(lacht). Ich glaube einfach, dass so viele Menschen mit so viel Talent geboren worden sind und 90 % der Menschheit lebt das nicht aus und das finde ich so schade. Deshalb heißt das Programm Superstar und die Rahmenhandlung habe ich so gewählt, weil ich unbedingt ein Rahmenprogramm wollte. Da war dann der Name Superstar und dann habe ich mir gedacht ich gehe also zu DSDS…

Das Frauenthemen angesprochen werden würden, war von Anfang an klar?

S: Ja, es sind ja 90 % der Themen wahr. Das hat mich sehr befreit, dass alles mal so offen und ehrlich zu erzählen. Ich war wirklich einmal Leistungsturnerin, aber es hat nicht wirklich gereicht. Ich habe gerne gesungen, aber ich war bis zum meinem 33. Lebensjahr nicht Sängerin. Weil man mir immer gesagt hat, du bist so schlecht, hör auf zu singen.

Wo kam dann der Punkt, an dem du gesagt hast: „Es ist mir egal ich mach das jetzt.“

S: Beim Kabarett erst. Davor hatte ich zu viel Druck, weil ich nie für mich gesungen habe, sondern immer fürs Publikum. Das hat mich nie wirklich glücklich gemacht. Es ist mir jetzt egal, was die anderen sagen. Das Kabarett-Ding hat mich ein bisschen geheilt. Das ist sehr schön, dass man sich alles von der Leber reden kann, dass man frei ist.

Was möchtest du den Frauen in deinem Publikum mitgeben?

S: Ich möchte so gerne den Frauen mitgeben, dass egal in welchem Alter – und ich bin jetzt auch schon 44 –, mit 43 habe ich mich entschieden, ich werde jetzt Comedian. Egal in welchem Alter ob mit Kind oder nicht, du kannst etwas Neues beginnen und es zumindest versuchen. Alle diese Träume, die du als Kind hast, das kommt ja von wo. Das sollte man nicht verdrängen. Das wäre so mein Wunsch.

Ingrid Diem – Wieviel Frau darf’s denn sein?

Ingrid, dein Programm heißt, wie viel Frau darf‘s denn sein. Also wie viel Frau darf es denn jetzt sein, deiner Erfahrung nach?

I: Ich habe es einerseits so genannt, weil ich einen Titel gesucht habe, der die beiden Hauptthemen verbindet. Figur, Gewicht und das Partnerbuffet. Wie man 2019 als Single jemanden kennenlernt. Da hat sich ja soviel geändert, dass Männer ein Nacktbild von dir wollen, bevor sie mit dir auf einen Kaffee gehen. Damit sie nicht umsonst 8 Stationen mit der U-Bahn fahren.

S: (lacht)

I: Ja, aber es ist ja wirklich üblich. Ich wusste das nicht, weil ich so lange nicht Single war. Ich habe es verpasst dieses ganze Paarship, Tinder, Dating. Ich wusste das nicht. Ähnlich wie die Su, habe ich mich beim Schreiben selbst therapiert. Ich habe über Sachen gesprochen, bei denen ich selbst noch einen wunden Punkt hatte. Durch das Schreiben und bis ich auf die Bühne ging, war das nicht mehr schmerzhaft. Ich sage auf der Bühne, dass ich kein Hinternselfie machen kann, weil mein Hintern so groß ist, dass ich ein Panorambild brauche. Das hätte ich früher nicht sagen können.

Es ist so befreiend, dass du auf der Bühne sowieso Offensichtliches vor einem Publikum ansprichst. Wenn du mich 20 Kilo Übergewicht auf die Bühne gehst, kannst du dir nicht einbilden, dass sieht keiner. Das sieht jeder. Noch bevor jemand denkt „blad“ (Anm. der Red.: umgangssprachlich für dick), kannst du schon einen Witz darüber machen.

Außerdem finde ich es so schön, dass ich von Frauen höre, dass sie sich körperlich entspannen, wenn sie mir zuschauen. Ich habe das auch als Sängerin immer gehört, dass sie es lieben, wenn ich figurbetont anziehe und auf der Bühne tanze und sie sich nach einem Konzert dann endlich einmal nicht schlecht fühlen und ungenügend, sondern das ermutigend finden. Das hat mich immer ur gefreut. Da habe ich mir immer gedacht: „Ich tanze nicht nur für mich, ich tanze für eine Community.“

S: (lacht laut auf)

I: Nur lustig sein wollen und Witze reißen, das wäre mir zu wenig. Ich möchte schon das Gefühl haben, es hat zumindest für drei Personen im Publikum irgendwas entspannt oder verbessert. Ich brauche eine Message. Das ist in Wirklichkeit mein eigentliches Ziel. Für mich sind Kabarett oder singen Stationen. In Wirklichkeit würde ich gerne Erkenntnisse die ich habe, die mich befreit haben oder die mir Heilung verschafft haben, teilen.

Ich dachte immer ich bin hässlich. Schon als Kind habe ich gehört, man darf sich nicht schön finden, das ist Hochmut etc. Ich habe mir das so erarbeitet mich zu akzeptieren und schön zu finden. Ich hätte gerne, dass jede Frau diese Tools kennt.

Das ist die einzige Möglichkeit, wie ich es alleine auf eine Bühne schaffen konnte. Ich bin das erste Mal alleine auf der Bühne. Ohne Band, ich genieße das aber. Da habe ich mir erarbeitet. Ich habe jetzt Bock darauf gesehen zu werden, weil ich das Gefühl habe, dann kann ich machen, was ich machen soll und das ist etwas Gutes.

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Reaktionen

Habt ihr auch negative Reaktionen auf eure Programme bekommen?

S: Nein, also die, die es scheiße finden haben es mir bis jetzt nicht gesagt. Natürlich ich bin jetzt nicht so naiv, dass ich glaube, dass es jeder super findet. Aber sie haben es mir zumindest noch nicht gesagt, was ich auch ok finde (lacht).

I: Ich hab schon. Ich mach auch Comedy jetzt zu kurz, da hat es mir noch keiner gesagt. Aber beim Singen ist es anders. Da habe ich mit Dennis Jale ein Liebesduett gesungen und singe total innig und verbunden „I will always love you“ von Withney Housten. Ein weiblicher Fan hat das gefilmt und mich gefragt ob sie mir das schicken soll. Da habe ich natürlich ja gesagt.

Nur hat die Dame vergessen, dass sie zu meinem Auftritt Kommentare gemacht hat, die sie ihrem Mann laut gesagt hat. Da hört man dann laut im Hintergrund gehört: „Bumm, die hat so an riesen Hintern…“  Ingrid und Su lachen laut… Ich habe es ihr nicht gesagt, wollte sie nicht beschämen.

Lustiger Weise wurde ich sehr beschämt fürs Abnehmen. Stammpublikum vom Metropol, die das immer toll gefunden haben, dass eine mal dicker ist und auf der Bühne steht, die haben mir das übel genommen. Da war ich wirklich sauer. Es war als hätte ich Hochverrat an der dicken Community begangen hätte. Da gab es wirklich Diskussionen auf der Facebook Seite von der Band, ob mein Busen operiert ist. Das hat ich damals wirklich gekränkt. Heute wäre es mir egal. Ich habe damals so geweint, wie ich nicht verstanden habe, dass mein Körper für fremde Menschen in Wien 10. beim Nachmittagskaffeetisch ein Thema ist. Wie kann das sei? Ich hätte ihnen am liebsten bewiesen, dass ich nicht operiert bin. Aber so viel Energie würde ich heute nie verschwenden. Wenn es eine glauben will, dass das Silikon ist und nicht echt dann bitte, soll sie es glauben.

Die Kritik am weiblichen Körper

Der weibliche Körper ist ja ständig im Fokus der Öffentlichkeit..

I: Ganz wichtig. Bei Frauen ist das sofort ein Thema. Anscheinend dürfen Frauen die in der Öffentlichkeit stehen nicht zunehmen. Im Kabarett ist es entspannter als Sängerin ist es schwieriger.

S: Auf jeden Fall. Weil du in der Comedy einfach Witze drüber machen kannst und das Thema dadurch entspannst. Als Sängerin ist das schwieriger.

Aber ist es nicht per se schwierig zu sagen: Ja, sie ist halt eine lustige Dicke. Also Witze über seine Dick sein zu machen, ist das ok?

S: Was ich versuche zu vermitteln ist auch, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Nicht nur figurtechnisch sondern allgemein. Die meisten Probleme entstehen, weil sich jeder so ernst und wichtig nimmt. Das Ego ist immer im Weg, weil man recht haben muss. Das würde ich gerne entschärfen.

I: Mit dem Ding, das wir gemeinsam aufziehen – Solo und Prolo (Anm. der Redaktion: ein Comedyprogramm, kurze Videos, mit witzigen Inhalten, die man via Facebook verfolgen kann) – ist es ja auch das Ziel, dass es einfach mal um nichts geht. Einfach mal abschalten, über nichts Wichtiges sprechen. Das ist so entspannend. Weil ich so viele Jahre lang im Kopf war und so viel nachgedacht habe. Die Su ist einer von den Menschen die mich so runter bringen. Wir können einfach auch über nix reden und es ist lustig, das ist so angenehm.

Frauen kritisieren Frauen

Ingrid, du singst ja auch darüber, dass es kein Problem ist einen Mann zu finden der dich schön findet. Aber das Frauen stark an dir Kritik üben. Wieso glaubt ihr ist das so, dass Frauen einander so kritisieren?

I: Also wie ich das selbst noch aktiv gemacht habe, also neidig war, bodygeshamend habe ich nie, aber ich war sehr neidig, war der Grund hinter allen Gründen ein geringes Selbstwertgefühl und Selbstzweifel. Ich unterstelle jetzt mal, dass das bei anderen auch so ist. Weil wenn du dich selbst magst, wieso solltest du dann andere so kritisieren? Was wäre das Motiv? Das sagt aber mehr über die andere Seite aus und nicht über dich.

Beeinflusst ja auch von außen. Es werden ja auch bestimmte Bilder in der Öffentlichkeit und der Werbung gezeigt.

I: Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn der Fokus nicht mehr so drauf ist, dann sieht man das nicht mehr so. In der Sekunde, wo ich mich voll angenommen habe, hat das keine Rolle mehr gespielt. Ich habe mich zum Beispiel unter der Dusche einmal gezwungen mich überall anzugreifen und mich bei allem zu bedanken und alles „angespürt“, wie es eben ist. Ja, da sind einige Stellen größer als ich es vielleicht gerne hätte, oder es ist weicher, aber ich habe zum Beispiel jahrelang meine Oberschenkel nicht bewusst angefasst. Da habe ich mich ur zwingen müssen, aber das war so gut und wichtig. Ich dachte mir, ich muss einmal so richtig meinen Körper anfassen und akzeptieren und seitdem ist es mir egal, was in der Werbung gezeigt wird.

Auch diese ganze Partnerbuffetwelt war so heilend. Eigentlich erst diese Singleerfahrung hat mir gezeigt, dass Männer optisch entspannter sind. Ich hatte noch nie ein Date mit einem Mann, der mich gesehen hat und gesagt hat „hey auf deinem Bild siehst du schlanker aus und ich muss jetzt gehen.“

S: Doch, ich hatte das schon einmal.

I: Echt??

S: Ja, da hatte ich eine Kleidergröße 38 und einer hat zu mir gesagt, also wenn du 3, 4 Kilo weniger hättest wäre es besser. Es passiert also auch wenn du schlank bist.

Der Blick auf den eigenen Körper

Wenn ihr euch auf Fotos und Plakaten seht oder im Fernsehen, findet ihr euch immer gut?

S: Ich finde es super, dass es Photoshop gibt (lacht laut).

I: Ich finde es gut, dass es Filter gibt, die machen immer meinen Teint etwas dünkler (lacht). Ich muss sagen, ich danke meinem Fotografen. Mein aktuelles Plakat ist das erste, das nicht retouschiert ist. Er hat mich gefragt, ob er retouschieren soll. Aber ich habe gesagt, nein, wir machen es auf realitiy. Es ist ja auch blöd, wenn man am Plakat ausschaut wie 19 und 20 Kilo leichter…und auf der Bühne dann ganz anders.

S: Ja, meines ist schon bearbeitet, aber nicht viel. Dadurch, dass es schon ein gutes Foto ist, durch das Licht und die Kamera. Da brauchst du nicht viel machen.

S: Ich sehe mich auch allgemein nicht mehr so kritisch. Ich hatte 40 Jahre lang eigentlich gar kein Problem mit meinem Körper. Dann habe ich plötzlich in einem Jahr 15 Kilo zugenommen und daran habe ich mich gewöhnen müssen. Ich hatte schon Probleme damit. Ich habe dann immer gesagt, dass ich nix zum Anziehen habe und nicht fortgehen kann. Ich habe jetzt einfach meinen kompletten Kleiderschrank auf Größe 42 umgestellt. (lacht)

Es gibt ein Interview von mir im Fernsehen, wo man mich von der Seite sieht und man meinen Rückenspeck bemerkt. Mir fällt das auf, aber ich geniere mich nicht dafür. Ich bin darüber hinweg.

I: Sonst kann man nicht auf die Bühne.

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Frauen, Freundschaft, Superstars 

Heute ist ja Weltfrauentag. Gibt es eine Botschaft, die ihr jungen Frauen mitgeben wollt. Was ist wichtig?

S: Was ich in jungen Jahren am meisten gemacht habe ist mich zu vergleichen. Wenn man sich das ersparen könnte, erspart man sich schon viel.

I: Wenn ich mich auf einen Satz beschränken muss, schwierig. Ich habe mich immer definiert über meine Beziehung. Ich dachte immer als Single bist du nix. Da finde ich so wichtig, das habe ich gelernt, nicht definieren über den Beziehungsstatus oder Gewichtsstand, sondern darum kümmern, dass es dir gut geht. Oberste Priorität ist, dass ich glücklich bin. Ich habe zum Beispiel eine Glücklichliste gemacht und kümmere mich um mich. Schau darauf, dass du am Abend glücklich ins Bett gehst.

 

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Liebe Ingrid, liebe Su, vielen Dank für das spannende und lustige Gespräch. Ich habe mich sehr gefreut einen so schönen Abend mit euch verbringen zu können.

Ihr könnt Ingrid Diem mit ihrem Programm „Wieviel Frau darf’s denn sein“ & Su Mathurin mit „Superstar“ übrigens noch auf der Bühne erleben.

 

Infos & Tourdaten findet ihr hier:

https://www.ingriddiem.com

https://www.kabarett.at/kuenstler/421/su_mathurin/termine.html